DER FLANEUR
Für mich ist das „Schreiben“ eine andere Form der Entspannung. Dabei habe ich den Wunsch mich zu vergessen, wenn ich mich erinnere. Oft fühle ich mich dabei wie ein Schmetterlingssammler, der seine Beute aufspießt, um sie dann später in der Vitrine auszustellen.
Das ist eine seltsame Existenz oder ein Rollenspiel in immer neuen Masken. Die Rolle des Außenseiters habe ich schon als Kind akzeptiert. Ja, ich liebe diesen Zustand geradezu. Und trotzdem bin ich kein Mensch, der sein Leben nur dichterisch ertragen könnte.
Denn mein Leben umgibt sich mit einem Alltag, der für mich nicht alltäglich ist. Aus bürgerlicher Sicht führe ich eine konstruktive Existenz. Aber gleichzeitig habe ich subversive Gedanken. Dabei verfasse ich nur Breviere. Und doch liebe ich die Illegalität. Aber vor Mitwissern scheue ich mich nicht.
Dabei möchte ich Widerstand leisten, um das, was mir wichtig erscheint, zu bewahren.
„Schreiben“ also nicht nach der dümmlichen Devise: Der Klügere gibt nach. Denn sollen nur noch die Dummen bestimmen?
Ich lebe von der Überzeugung: Alles, was einen stört, lässt sich verändern. Du musst es nur wollen. Also auch ich möchte, dass vieles so bleibt wie es ist, nur in einer besseren Version. Nur so lässt sich die schleichende Auflösung der bürgerlichen Ordnung verhindern. Denn lebt nicht auch das, was bewiesen erscheint, geradezu durch seinen Widerspruch?
Ich verfolge das Leben also wie ein Flaneur. Und gleichzeitig habe ich Angst die Möglichkeiten, die mir das Leben bietet, zu versäumen. Nicht, dass es mir an Phantasie mangelt. Aber gerade deswegen begebe ich mich jeden Tag in meinen Gedanken auf Reisen. Allein schon der Gedanke unterwegs zu sein macht mich glücklich.
Interessante Geschichte.
Eine Frage ist, ob manche Reise eine solch intensive Empathie erfordert, dass einem Betrachter das betrachtete Gesicht nur illusorisch als unterschiedliche Masken und Rollenspiele erscheint. Vielleicht ergibt der jeweilige Reisebericht aufschluß darüber. Klingt er der Reise entsprechend beschönigend oder kritisch, wobei letzteres dann in der Summe aller Reiseberichte eine Authentizität spiegelt, welche die Annahme von Rollen und Masken eher auflöst als bestätigt?
Aber wie so oft, man sucht ständig nach Wahrheiten, obwohl sie am lieber verdrängt werden. Vielleicht ist es sogar der Suche Grund.
Danke für die Geschichte :)
"Oft fühle ich mich dabei wie ein Schmetterlingssammler, der seine Beute auffspießt, um sie dann später in der Vitrine auszustellen", ist mein Interesse an dem Text erloschen.
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