MONIKA MORBAH - engagierte Bürgerin ohne „Lobby“
Gelegentlich lese ich die Lokalausgabe meiner „Heimat“-Stadt G. Immerhin ging ich dort in die Schule. Und so las ich neulich eine kleine Nachricht in dieser Lokalzeitung, die mich neugierig werden ließ:
Eine ältere Dame, die ehrenamtlich im Seniorenheim arbeitet, bittet die Redaktion darüber nachzudenken, die Schriftgröße der Zeitung zu vergrössern. „Dann können ich und die Menschen, denen ich die Zeitung heute noch vorlesen muß, die Zeitung selber lesen.“
Ich dachte sofort an Frau Monika Morbah, die als „Ehrenamtliche“ meine Mutter im Seniorenheim betreute und ihr, meiner 90ig-jährigen Mutter regelmäßig die Zeitung vorlas. Denn meine Mutter klagte schon seit Jahren über das kleine Schriftbild „ihrer“ Zeitung, die sie dann letztlich abbestellte.
Ich rief also Frau Morbah kurzerhand an und traf mich mit ihr, um authentisch zu erfahren wie besagte Lokalredaktion auf ihren Vorschlag – die Schriftgröße der Zeitung für alte Menschen zu vergrößern- reagierte:
Seit nunmehr Mai 2010 setzt sich Frau Morbah nicht nur als „Ehrenamtliche“ für ihre Idee ein, die sie natürlich zu erst dem Leiter des Seniorenheimes vortrug, in dem sie überwiegend tätig war. Dort fand man ihren Vorschlag „interessant“, aber Konsequenzen hatte das nicht. Denn man wolle den Ruf des angesprochenen Altersheimes nicht mit dieser Idee in Verbindung bringen. War also Frau M. Idee so schlecht, dass sie „rufschädigend“ war? – muß man sich da fragen.
Und schon war Frau M. wieder allein mit ihrem Vorschlag. Denn selbst der Seniorenbeirat, der Bürgermeister und der Arzt, der überwiegend besagtes Altersheim betreute, wimmelten Frau M. mehr oder weniger freundlich ab, da man zur Zeit terminlich überlastet sei. Und im Übrigen habe die Zeitung auf derartige Vorschläge nur selten reagiert. Aber dann hörte Frau M. auch den „schönen“ Satz:
„Machen Sie das alleine, dann macht nur einer einen Fehler.“
Wer aber Frau Morbah kennt, weiß, dass sie, engagiert wie sie ist, weder die Realität ausblendet, noch über die Begabungen eines „Ja“- Sagers verfügt. Und sie gehört auch nicht zu den Menschen, die nach dem Motto leben:
Dagegen kannst Du sowieso nichts machen!
Kurz, obwohl Frau M. für ihren Vorschlag keine Mitstreiter fand, ließ sie nicht locker. Und so ging sie mit ihrem Verbesserungsvorschlag erneut zu der Lokal-Zeitung, die Frau M.`s Engagement zumindest erwähnten. ( s.o. )
Aber gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass für die „Umrüstung zum grösseren Schriftbild“ das Geld fehle, da man in naher Zukunft die Zeitung „farbig“ herausbringe.
Nur mit der Farbe wird für älteren Menschen die Zeitung nicht zwangsläufig lesbarer, sondern im Gegenteil.
So stand Frau M. wieder am Anfang ihrer Bemühungen. Aber wenn sich Frau M. etwas in den Kopf gesetzt hat, ist sie zäh. Und das ist gut so!
Denn ab heute kann sie stolz darauf sein, daß sie weiterhin nicht locker ließ und die Zeitung immer wieder mit ihrem Vorschlag konfrontierte:
Nun ist es so weit. Ab August-September 2011 kommt die Zeitung der Region in „altengerechter Schrift“ auf den Markt. Und wenn Frau M. ihrem Mail, das sie von einem weiteren Chefredakteur erhielt, Glauben schenken darf, wird ihr Vorschlag auch noch bei einer anderen Regionalzeitung durchgesetzt.
Wenn schon das latente „Zeitungs-Sterben“ in Deutschland aufgehalten werden soll, darf die ältere Bevölkerung schon gar nicht "medial" ausgegrenzt werden. Da aber die alten Menschen von heute die Jungen von gestern sind, kann man diesen Satz auch umdrehen. So sind also auch die alten Menschen das „Volk“. Und das „Volk“ ist souverän und hat als „Menschenrecht“ Anspruch auf Information. Da ist sich nicht nur Frau M. sicher.
Ich gratuliere Frau M. und wünschte mir mehr Bürger mit Engagement vor Ort ,auch wenn sie über keine „Lobby“ verfügen oder Wahlen anstehen.
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