KOMMENTAR & KIESELSTEIN
Ich bin ein Leser, der das, was er liest, mit Randbemerkungen versieht. Da fehlt mir jede Ehrfurcht. Nur so lässt sich ein entspanntes Verhältnis zur Literatur herstellen. Ich skizziere meine Kommentare an den Rand und ergänze so notizenhaft den Text. Und während ich das, was ich lese, interpretiere, wird die Interpretation zu einem neuen Text. Natürlich fällt mir, dem Autor, der Autor immer wieder ins Wort. Und plötzlich reden wir durcheinander wie ein verliebtes Paar oder wie ein gereiztes Ehepaar. Kein Mensch lässt sich gern unterbrechen. Aber plötzlich überraschen uns Assoziationsketten, die oft genug dem Zufall unterworfen sind. Der Zufall ist eine mächtige Kraft, die an ihren eigenen Fäden zieht. Und doch durchzieht den Zufall ein stabiles System von Möglichkeiten. Nur so lässt er sich zähmen. Aber trotzdem bleibt das Gefühl zurück, dass das, was das Leben ausmacht, allenfalls zufällig ist. So zufällig, wie eine üppige Vegetation, die auch nicht weiß, warum sie blüht und doch ihre Früchte abwirft.
Während ich mich also von meinen Worten befreie wie von Kletten, tröstet mich die Vorstellung, dass auch ein anderer Mensch so denken könnte wie ich. Ich werde ihm meine Lektüre überlassen. Vielleicht gefallen ihm meine Notizen und diese verspielten Graffitis, wenn mir nichts einfiel. Schon als Jugendlicher schnitzte ich meine Initialen in jeden Baum und schlenzte flache Kieselsteine über das Wasser. Aber das andere Ufer erreichte ich nie
hat mal bei "Schnelzen" das andere Ufer der Ruhr bei Bochum erreicht und meine Mutter am Kopf getroffen.
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