Mein ganz persönlicher Jahresrückblick
Der wohl glücklichste Moment im Jahr 2010 war am Donnerstag, dem 14. Oktober um 02.55 Uhr. Nein, da ist nicht Bundespräsident Köhler zurückgetreten, sondern der letzte der 33 Bergleute, die in Chile verschüttet waren, gerettet worden.
69 Tage haben diese Menschen nur von ihrer Hoffnung und ein paar Dosen Thunfisch gelebt. Man stelle sich nur vor, unter diesen Menschen wären vegane Tierschützer, etwa wie Frau Barbara Rütting, gewesen. Und dann Thunfisch – wo doch jeder weiß, dass immer wieder Delphine beim Thunfischfang in die Netze der Fischer geraten. Obwohl – in den 60er Jahren hätten die Amerikaner vielleicht eine TV Folge „Flipper rettet chilenische Bergarbeiter“ daraus gemacht.
Was gab es sonst noch? Ach ja. Deutschland hat einen neuen Supermann. Und der kommt – man höre und staune – aus der CDU. Nein, ich meine wieder nicht Herrn Ex-Bundespräsident Köhler. Heiner Geissler, Bergsteiger und Attac-Mitglied, hat das geschafft, was keiner von ihm erwartet hat. Er hat das Projekt Stuttgart 21, das wegen der enormen Kosten für die Steuerzahler nicht nur in der baden-württembergischen Bevölkerung auf heftigen Widerstand traf, noch teurer gemacht.
Man stelle sich das einmal vor: Da haben zwei Parteien Streit, weil die eine von der anderen einen riesigen Batzen Geld will, den diese aber nicht zahlen möchte. Dann kommt ein Schlichter, der nach tagelangem Gequatsche, das zudem noch live über Phoenix gesendet wurde, entscheidet, die eine Partei soll auf die Forderung der anderen Partei einfach noch ein paar Millionen drauflegen und damit sei der Streit beendet. Also, ich denke König Salomo hätte da anders entschieden. Aber Geissler heißt ja auch Heiner und nicht Salomo und ist zudem Rentner und nicht König.
Beachtlich finde ich aber, dass die Leute in Stuttgart gezeigt haben, dass sie auch im Jahre 1 nach Westerwelle, trotz nachgesagter spätrömischer Dekadenz, immer noch in der Lage sind, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Zumindest dann, wenn sie das, wofür sie 4,1 Milliarden zahlen sollen, auch sehen und anfassen können. Anders sieht es da bei den 750 Milliarden für einen europäischen Rettungsfond aus, der das Risiko von Spekulationen von den Spekulanten auf die Bürger überträgt. Mögliche Gewinne bleiben beim Spekulanten, Verluste ersetzt der Steuerzahler. Und das europaweit.
Aber in Deutschland gilt: Was man nicht sieht, gibt es auch nicht und man braucht nicht dagegen zu demonstrieren. Das war schon beim Ozonloch so. Fallende Löhne und immer schlechtere Arbeitsbedingungen, längere Lebensarbeitszeit – dagegen demonstriert man in Frankreich und Griechenland. In Deutschland bekämpft man lieber Bahnhöfe. Vielleicht weil man von den Zusammenhängen und Auswirkungen der Globalisierung in Deutschland nur Bahnhof versteht.
Was war noch im Jahre 2010?
Eine Meldung der Harvard Medical School dürfte vor allem für die FDP interessant sein: Placebos wirken trotz Enttarnung. Also: Wenn ich einem Patienten ein Mittel gebe, ohne jeden Wirkstoff, kann dies, wie etwa in dem zugrunde liegenden Versuch der Harvard School, ein Reizdarmsyndrom behandeln. Selbst wenn ich auf der Verpackung drauf schreibe: „Das Zeug nutzt überhaupt nichts, absolut inhaltslos“, gingen doch bei einigen Patienten die Darmreizungen zurück.
Also gibt es doch keinen Grund mehr für die FDP in den anstehenden Wahlkämpfen nicht mehr das Konterfei von Westerwelle zu plakatieren. Im Gegenteil. Ich würde noch groß und fett in blau-gelb darüberschreiben „WIR SIND GAR NICHT LIBERAL“ und „FDP – Die Placebopartei“. Vielleicht würde das sogar gegen die Magenverstimmung helfen unter der einige FDP Wähler seit der letzten Bundestagswahl leiden.
Aber auch andere Parteien hatten ihre Sternstunden in diesem Jahr. Vor allem die Frauenpartei CDU. Das, was den Grünen und Linken trotz Quote nie gelungen ist, hat die CDU so nebenbei geschafft. Sie wird von Frauen gesteuert. Nach der großen Angie nun die mittlere Ursula und die kleine Kristina.
Fast wäre Ursula von der Leyen Bundespräsidentin geworden – aber eben nur fast. Fast hätte Sie es auch geschafft, den ihr vom Bundesverfassungsgericht vorgegebenen Zeitrahmen für die Novellierung der Sozialgesetze einzuhalten – aber eben nur fast. Am 9. Februar hatte das Gericht gefordert, die Sozialgesetzgebung bis zum 31.12.2010 verfassungsfest zu machen. Also 10 Monate Zeit. Man sollte denken, dass dies der Superministerin ausreichen würde. Immerhin hat sie bereits siebenmal in einem kürzeren Zeitraum etwas mit Hand und Fuß zustande gebracht. In einem WELT-Interview räumt Frau von der Leyen zwar ein, dass ihre Kinder sie manchmal peinlich finden, das spricht allerdings meines Erachtens für eine gesunde Entwicklung der Kinder.
Die kleinste der großen Frauen in der CDU ist Frau Dr. Kristina Schröder geb. Köhler. Nein, die Frau war niemals mit dem Exbundespräsidenten oder dem Exkanzler verheiratet. Die Namen hat sie sich ehrlich durch Geburt und Heirat verdient. Bei dem Doktortitel sind sich da manche nicht so sicher. Manch einem fliegt ja Wissen wie ein bunter Falter zu. Wie komme ich in diesem Zusammenhang jetzt auf Falter? Auch egal.
Vor kurzem habe ich jedenfalls ein Interview mit Frau Dr. Schröder gelesen und seit dem frage ich mich nicht mehr, wie Frau Schröder zu ihrem Titel kam. Viel mehr würde mich interessieren, wer ihr Abiturzeugnis gefälscht hat.
Die wohl wichtigste Bucherscheinung, nicht nur in diesem Jahr sondern überhaupt, das wichtigste Buch neben Bibel und Koran: „Deutschland schafft sich ab“. Ein Bestseller mit Millionenauflage. Jahrelang hat man dem deutschen Volk ein ähnliches Buch durch Verbote vorenthalten. Und während Hitlers Tagebücher nur eine schlechte Fälschung waren, liegt hier authentisches Material vor. Und was viele Deutsche freut: sie können das Buch öffentlich kaufen und brauchen es nicht unter dem Nachttisch zu verstecken. Tja, liebe Moslems nicht nur ihr habt Hassprediger. Ich finde, das Buch und seine Verkaufszahlen sollte vor allem im Ausland Beachtung finden.
Tja, was war dann noch?
Wie schon gesagt, Köhler ist zurückgetreten. Aber nicht etwa wegen diesem Buch oder mehrerer von ihm unterschriebenen verfassungswidrigen Gesetze, nein: Weil er kritisiert wurde. Er hatte festgestellt, dass Kriegseinsätze auch wegen finanziellen Interessen durchgeführt werden. Nun ja, das „auch“ hätte er sich eigentlich sparen können. Aber es ist nun einmal in Deutschland nicht gewünscht, das zu sagen, was sowieso jeder weiß.
Wenn Deutsche Soldaten marschieren, dann tun sie dies ausschließlich wegen ehrenvollen Motiven. Dies war immer so und wird immer so bleiben. Und wenn dann Kinder fragen, ob tote Soldaten Helden sind, hat ein guter deutscher Politiker mit einer Träne im Augen klar und deutlich "Ja" zu sagen.
In diesem Sinne ein schönes und friedliches 2011.
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