Wo ist Josef Joffe? (Ein Nachruf)
Weiss eigentlich jemand, was aus Josef Joffe geworden ist? Vor gar nicht allzu langer Zeit hat dieser Mann noch beinahe im 24-Stunden-Rhythmus seine wahren Weisheiten verspritzt und dem oft zu differenziert denkenden ZEIT-Leser messerscharf die Augen geöffnet. Sicher, sein Schreibstil war einfach, schnörkellos und frei vom überbordenden Ballast der Sprache eines Thomas Mann. Man konnte an der eingegrenzten Wortwahl erkennen, dass Joffe nicht den Anschein erwecken wollte, intellektuell oder distinguiert zu sein. Grammatikalische oder gar philosophische Verschachtelungen waren seine Sache nicht, und seine rhetorischen Vorbilder suchte er eher in Dieter Bohlen und dem Quatsch Comedy Club als in Helmut Schmidt oder Martin Luther King. George W. statt W. Goethe. Motörhead statt Mozart.
Aber gerade durch dieses, von dialektischen Verästelungen frei geschlagene Sichtfenster liess er uns oft die einzig wahre Wahrheit erkennen. Josef Joffe war es, der uns klarmachte, dass Europa in der akuten Gefahr schwebt von einem schlaftrunkenen Bären im Osten gefressen zu werden, und der als Gegenmassnahme empfahl sich immer näher an diesen heranzupirschen und ihn durch lautes Gebrüll in eine Schockstarre zu versetzen. Er war es auch, der uns immer wieder vergegenwärtigte, dass eine Hochkultur, die so grossartige Menschheitserrungenschaften hervorgebracht hat wie den BigMac oder das Billy Regal, sich niemals die weltpolitische Deutungshoheit mit Kulturschmarotzern und ethnischen Randgruppen wie den Chinesen, Russen oder Arabern teilen dürfe. Die Welt ist schwarz auf weiss, und Josef Joffe hat es uns tagtäglich eingebläut. Doch wo ist er jetzt? Was ist bloss aus Meister Feder geworden?
Oh, ich blättere gerade ein bisschen im Internet und sehe, dass er doch noch Artikel zu schreiben scheint! Er schreibt da über den Staatskapitalismus, Roland Koch, den Fall Kurras, Opel. Immerhin, er lebt. Aber warum habe ich ihn in letzter ZEIT gar nicht mehr wahrgenommen? Liegt es vielleicht daran, dass das alles so ohne Feuer ist? Keine flammenden Reden mehr auf die Brandherde dieser Welt? Ist der Prophet etwa ausgebrannt, weil man seine Worte - im eigenen Lande naturgemäss unbeachtet - nicht einmal dort erhört, wo er es sich so sehr gewünscht hätte? Die heiligen Worte nichts als Bartgebrabbel? Ist die Welt in den letzten Monaten etwa sicherer geworden, oder schlimmer noch: ist die Zeit für so schön einfache Plausibilität etwa abgelaufen? Befinden wir uns womöglich in einem Zeitalter, in dem mehr Wert auf Eloquenz und Bedächtigkeit gelegt wird, als auf Kurzschlüsse und Schnellschüsse? Wenn ja, wieso? Was ist denn bloss passiert?
Aber natürlich! Im November letzten Jahres hat ja Barak Obama das höchste Amt der USA an sich gerissen, und vielleicht hat dieser Erdrutsch nun bereits zu einem Wertewandel geführt. Und dabei war es ironischer Weise ausgerechnet Josef Joffe, der uns alltäglich vor den Folgen dieser Machtergreifung gewarnt hatte. Jetzt haben wir also den Salat! Obama, dieser eiskalte Machtpolitiker, der seine Wahl ins Weisse Haus ja nicht seiner Kompetenz verdankt, sondern schlicht der Tatsache, dass er schwarz ist und Amerika befand, dass es an der Zeit wäre der Welt zu beweisen, dass in der besten Demokratie der Welt ein Jeder seinen Traum leben darf. Barak Hussein Obama also, dieser ehemalige Drogenkonsument mit festen Verbindungen zum organisierten Verbrechen, der es in seinem Machtwahn so weit treibt, die herzensgute und prinzipientreue Hillary Clinton - die diesen Präsidenten ja um jeden Preis verhindern wollte! - für seine dubiosen Belange vor den Karren zu spannen. Nie wurden Frauen schlimmer gedemütigt! Alte Widersacher, wie der amerikanische Held und Retter Johnny McCain, müssen ihm jetzt öffentlich die Schulter klopfen. Dieser Präsident scheint zu allem fähig und mit allen Wassern gewaschen. Er, der das Internet bekanntlich besser beherrscht als jeder Terrorist und der den Achsmächten des Bösen unverhohlen beide Hände entgegenstreckt – geöffnet, wohl gemerkt, nicht geballt! Und die Welt rückt zusammen und lässt sich bereitwillig von dem Friedensgeschwafel dieses listigen Sektierers einlullen.
Langsam muss auch dem letzten Zweifler klar werden, dass dieser Mensch nicht einfach nur der Macht wegen ins Weisse Haus einziehen wollte, wie es ja nur logisch und nachvollziehbar gewesen wäre. Nein, es offenbart sich nun Stück um Stück, dass hinter der Politik dieses Mannes eine handfeste Philosophie steckt, die so unverblümt noch von wenigen Politikern zum Ausdruck gebracht worden ist. Vor diesem Präsidenten hat uns Josef Joffe immer gewarnt. In spätestens drei Jahren wird er es wieder tun. Dann sind wir schlauer!
(Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik und Unterstellungen. Die Redaktion/jk)
wie er leibt und lebt, interviewt von dem kongenialen Malte Lehming. http://www.tagesspiegel.d...
Guter Beitrag, der als so eine Art Nebenfazit jedoch hat, dass wir Deutschen einfach nicht ohne Scapegoat können. Also JJ nicht und ich auch nicht. Ich vermisse die bissigen Beiträge, die mich zum Explodieren in Schriftform gebracht haben, auch eher als die, zu denen man gefällig nicken kann. Zum Glück ist die Explosion immernoch montags im TS möglich, denn auch ein bereits verlorener Kampf ist, nach dem unter Nr. 1 verlinkten Obama-Kommentar zu urteilen, noch nicht vollends down the drain für Freund Joffe. Peinliches Nachtreten in einer Berliner Postille versüßt mir heute den drögen Mittwoch mit gesteigertem Blutdruck. Und Schuld ist Joffe, die Scapus-Ziege. Danke!
Ich schließe mich dem Aufruf jedoch grundsätzlich an: Lieber Herr Joffe, lassen Sie sich doch bitte nicht von einem so störrischen und ignoranten Berg (!) ärgern, der einfach nicht auf Sie zukommen will! Beehren Sie uns wieder und geben Sie uns einen Grund mal wieder so richtig los zu legen! Ich trauere noch immer über den Verlust von Schlüsselfiguren der Politik (wie z.B. Sprechkäse-Scharping oder Ede), die jeder Comedy-Show das Fürchten gelehrt haben. Bringen Sie mich doch bitte wieder in Wallung ... tut ja sonst keiner.
P.S. an den Verfasser: Was haben Sie eigentlich gegen Motörhead?
...Us-Amerikanern gewählt und nicht anderswo auf auf der Welt.
Die Anzahl der Studenten, die mal an nem Joint gezogen haben, geht prozentual im Übrigen weit über die Quote, mit der Obama gewählt wurde.
Josef Joffes letzter Artikel über GM und Obama, incl. der Seitenhieb auf Opel war schlecht.
Schon allein aus dem Grunde, daß GM Europa und Opel gleichgesetzt wurden, d.h. erst gings um Opel, dann wurde von den Verlusten von GM Europa gesprochen.
Und die Überschrift, daß GM unter Obama jetzt Trabis baut, war mehr als Panne.
Nun ja.
Muss auch mal sein.
Das Wort ist eben nichts ohne die Tat.
Risiko
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Ein guter Mensch wird in der Schenke nicht verdorben,
ein schlechter wird in der Synagoge nicht gebessert.
Ich kann's nicht lassen! DAS WAR EIN (DUMMER) SCHERZ!
Ich maße mir weder an, mich mit dem berühmten ZEIT-Herausgeber zu messen, noch halte ich mich für wichtig oder unentbehrlich ... Mal sehen, wer meinen "Größenwahn" jetzt bitterböse kommentieren wird. Asche auf mein Haupt!
Faun, der sich hier erst noch die (Bocks-)Hörner abstoßen muss ...
Ich habe Josef Joffe zuletzt vor einigen Tagen zusammen mit Michael Naumann auf Phoenix gesehen. Er hat da in der ZEIT-Matinee jemanden interviewt. Wen weiss ich nicht mehr. Ein spannendes Interview. Eine gewisse Konkurrenz zwischen den beiden war aber deutlich zu sehen...
Köstlicher Artikel. Leider noch immer Wunschdenken.
Ich habe gerade die Lemmy-Biographie gelesen und kann sagen, dass der Vergleich mit JJ eine Beleidigung sondergleichen für Motörhead darstellt.
Ansonsten gibt es nichts zu sagen.
v.
(Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik und Unterstellungen. Die Redaktion/jk)
... gut, dass das nötige Polemik und Unterstellungen waren, Herr Koffe ...
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