Alle reden vom Wetter - nur nicht die Bahn!
Ach, was müssen wir heute wieder Böses über die Deutsche Bahn AG hören... ein Regionalzug bleibt vor den Toren der Millionenmetropole Hamburg durch einen Stromausfall auf offener Strecke stehen - und Passagiere erleiden Unterkühlungen, Hilfe trifft erst nach Stunden ein.
Die vier Feinde der deutschen Bahn AG sind brutal, rücksichtslos, kennen kein Pardon und sind völlig unbezwingbar. Die Namen der furchtbaren vier lassen jedem Eisenbahner das Blut in den Adern stocken:
Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
In jedem Unternehmen, in dem Sicherheit eine Rolle spielt, sichert man sich mit Notstromaggregaten gegen einen Stromausfall ab, um zumindest die wichtigsten Systeme - Funk, Heizung, Türöffnung - am Leben zu erhalten. Nur nicht bei der Bahn.
Sehen wir uns aber mal die Geografie an. Schwieriges Terrain? Weit weg von jeder Zivilisation? Stand der Zug mitten in der Prärie, umgeben von feindlichen Indianerstämmen?
Beileibe nicht. Der Zug stand laut Bahn "bei Tremsbüttel", einem hübschen Ort bei Bargteheide. Ein Blick in das bewährte Google Maps verrät, daß der Zug auf dieser Strecke unmöglich weiter als 500 Meter von Wohngebieten etfernt war, nie weiter als 300 Meter von einer Strasse, nicht weiter als zwei Kilometer von einer gut ausgebauten Bundesstrasse oder der Autobahn A21.
Hier ist der Link zur Karte, sehen Sie selbst:
Tremsbüttel und Bargteheide haben Feuerwehren. Die Gemeindefeuerwehr Tremsbüttel ist einen Kilometer von der Bahnstrecke entfernt und hätte innerhalb von Minuten vor Ort sein können. Die bestens ausgestattete Feuerwehr Bargteheide ist sagenhafte drei Kilometer entfernt, sie hätte wohl viel länger gebraucht, nämlich etwa zehn Minuten - wurden die Feuerwehren etwa gar nicht benachrichtigt? Wieso dauerte es vier Stunden?
Wie nennt man so etwas? Ich nenne so etwas "unterlassene Hilfeleistung und totales Versagen."
Was hätte die Bahn eigentlich gemacht, wenn es gestern abend im Zug gebrannt hätte? Hätten sie die Opfer gezählt und bedauernd in die Kameras geblickt?
Glückwunsch, lieber neuer Bahnchef, mit Ihnen fährt die Bahn endgültig in die Grube.
Wundert mich gar nicht. Die Hilfeleistung hätte ja Geld gekostet. Die Bahn mit ihrem Privatisierungszauber ist Schuld, das Servicleistung nur auf dem Computerbildschirm zu sehen ist.
Ja ich muuss es hinausschreien war mal auf einem Bahnhof in einem Städtchen um 7:30 und musste mal dringend groß ... das Klo war aber verschlossen und auch ohne Münzvorrichtung.
Alles ging in die Hose und der Zug fuhr ohne mich weg!
So kanns einen ergehen mit unserer DB.
- bestimmt bestens ausgestattet, vermutlich drei Löschzüge usw. Jetzt müssen Sie mir nur noch erklären, wie Sie sich das vorstellen, dass damit 400 Leute aus dem stecken gebliebenen Zug gerettet werden können? Etwa über Leitern, Notrutschen, Sprungtüchern? Unter Zuhilfenahme eines ADAC - Rettungshubschraubers? Nach Ihrer sicherlich begründeten Erklärung werde ich dem Tenor Ihres Beitrags zustimmen können. Wie ist übrigens die Schuld des Herrn Petrus zu sehen, der sich erdreistet hat, mal wieder zeigen zu wollen, dass es ihn noch gibt?
Sorry, habe ein wenig Ortskenntnisse und wohne gleich um die Ecke. Bargteheide ein kleines verschlafenes Nest vor den Toren von Hamburg und vermutlich nur mit einer Freiwilligen Feuerwehr ausgestattet. Wer es besser weiß, möge sich melden.
MfG_PS.
etwa 40 km von Hamburg entfernt, so ziemlich genau zwischen HH und Lübeck. Somit "vor den Toren Hamburgs" zu schreiben, ist wohl eher aus der Logik der Anklage als aus den realen geographischen Verhältnissen zu verstehen. So macht man Stimmung, ist ja nicht so schlimm, auch wenn es eigentlich eine glatte Irreführung des Lesers ist. Man vertraut darauf, dass der Leser sich auch gerne mal entrüsten will, nach dem Motto: So ein Sch...unternehmen und das schon seit 175 Jahren!
Wenn Sie sich da mal nicht täuschen, als jemand der nach meinem Wissen aus dem Ländle kommt. Ich wohne im Norden von Hamburg und muß ihre Kritik entschieden zurückweisen. Fahren Sie mal über die Bundesstraße 434 oder über die B 75 über Ahrensburg nach Bargteheide. Das waren neben dem Ausflugsziel nach Trittau meine beliebtesten Radstrecken, wenn ich Sonntags in der schönen Jahreszeit unterwegs war. Keinesfalls habe ich für die Hin- und Rückfahrt mehr als 40 km gebraucht. Wenn Sie allerdings Km von Zentrum zu Zentrum bemessen, mögen Sie durchaus recht haben. Das ist aber nicht der springende Punkt, und deswegen geht es auch nicht darum, Stimmung zu machen oder Leser in die Irre zu führen. Da dürfte es sich um einen Irrtum ihrerseits aufgrund fehlender Ortskenntnisse handeln. Ich trage es Ihnen nicht nach, denn in der Mehrzahl schätze ich ihre hintergründigen Beiträge, auch und gerade die philosophischen.
MfG_PS.
ist doch objektiv und ist rechts unten mit einem Maßstab versehen. Und dann nehme ich Augen- bzw. Daumenmaß und stelle fest, dass der schöne Ort Bargteheide so ziemlich in der Mitte zwischen Hamburg und Lübeck liegt. Als mehrmaliger Ferienaufenthalter in der Endmoränenlandschaft um Hohwacht (erst später erfuhr ich, dass es eine Göring-Gründung und ein halbes KZ war) war ich immer froh aus dem Weichbild HH herausgekommen zu sein und irgendwann tauchte dann auch der Hinweis auf Bargteheide auf, da war es dann irgendwie sehr ländlich.
Nun ist das Bild "vor den Toren von X" ein vager, deutungsoffener Begriff, er stammt wohl aus vorindustrieller Zeit, als man sich angesichts einbrechender Dunkelheit sputen musste nicht mehr vor sonder hinter den Toren einer Stadt (d.h. in der Stadt) zu sein. Denn sonst konnte man sich auf eine ungemütliche Nacht vor den Toren einrichten. Bei heutigen Siedlungsbreiverhältnissen passt der Begriff nicht mehr so perfekt, er assoziiert aber immer noch am Stadtrand und da habe ich dann doch etwas Zweifel mit Blick auf die Lage Bargteheides.
Sind wir lieb zueinander, ich war ja bloß der Meinung, dass die Leute im Zug bleiben mussten, weil ein Verlassen des Zuges auf freier Strecke eine sehr gefährliche Sache ist, Abstand des unteren Trittbretts zum Boden, Schotterbett, Graben der normalerweise das Schotterbett vom Gelände trennt. Das kann man nicht so leicht überwinden und auch eine Feuerwehr verfügt da nicht über die richtigen Mittel. Vier Stunden Warten ist schon happig, das sicher, und ich wundere mich auch, dass - bei Beschädigung der Stromleitung - da keine Diesellok eingesetzt werden konnte. Die gibt es da oben doch noch, soweit ich weiß.
Ich sollte hinzufügen, dass ich sehr oft mit der Bahn unterwegs bin, mein Auto nur noch für Kurzstrecken benutze (10 000 km in drei Jahren). Insofern bin ich ein Anhänger der Bahn und manchmal regt es mich schon auf, wenn die Leistung der Bahn so unter den Scheffel gestellt wird. Sie ist das sicherste, und unter ökologischen Gesichtspunkten das beste Transportmittel. Das hält mich nicht davon ab, so manches als verkehrt zu bewerten, so auch Stuttgart 21 (weil mit dem dort investierten Geld wichtigere Engpässe beseitigt werden könnten). Dass viele Verspätungen (so viele sind es nicht, wie ich auch weiß) extern verursacht sind, muss man auch sehen. Sicherheit geht vor, eine Bahn, die auf Teufel komm raus den Fahrplan einhalten will, wäre für mich ein Horror, das darf nicht sein, auch wenn ich eine Stunde oder mehr später ankomme als geplant. Da bleibe ich völlig gelassen - auch weil ich selbst nicht immer zeitgerecht das liefere, worauf gewartet wird. Dass Züge in Frankreich in der Regel verlässlicher sind, ist wahr, aber das ist geographisch bedingt, wir leben nun mal in der Mitte Europas und da geht es halt enger zu. Und mit Petrus Mächten ist nun mal .... . Ich war übrigens an dem Tag von Berlin ins Rheinland unterwegs, es hat 1 1/2 Stunden länger gedauert, ich konnte mich also um diese Zeit länger mit meinem Sitznachbarn unterhalten, interessant was er mir erzählte. (Im Auto hätte es vermutlich mehrere Stunden länger gedauert).
Ich wohne in Bargteheide, am Ortsrand zu Tremsbüttel hin; die Gegend ist mir daher bestens bekannt.
Der Zug blieb bei Tremsbüttel zwischen den Bahnhöfen Kupfermühle (Rolfshagen) und Bargteheide ca. um 16:30 liegen. Das ist nun keineswegs irgendwo in der Wildnis des outbacks. Diverse Straßen und Landwirtschaftswege sind auch bei Schnee(derzeit kaum über 20 cm)innerhalb von 15 Minuten Fußweg immer erreichbar.
Es ist einfach eine Schande, daß es der Bahn nicht möglich war, innerhalb einer Stunde zu helfen. Zur weiteren Info dies hier: http://www.rtl.de/medien/...
Ich kenne übrigens Bargteheide und Tremsbüttel sehr gut, und auch die Strecke, auf der der Zug stehenblieb.
Und die FF Bargteheide ist nicht gerade eine Dorffeuerwehr, in der sich drei Freiwillige einen Wassereimer teilen müssen:
http://www.feuerwehr-barg...
Das ist übrigens auch für diejenigen eine interessante Seite, die immer noch glauben, daß die einzige Aufgabe der Feuerwehren die Brandbekämpfung ist und spotten, daß ein Sprungtuch nichts nützt, wenn man in einem Zug festsitzt. Wenn jemand in diesen Tagen bei Glatteis seinen Luxuswagen um einen Baum wickelt holt nicht die Polizei ihn heraus, sondern meist die Feuerwehr.
Achja, den wichtigsten Satz habe ich gar nicht geschrieben.
Die Fahrgäste jenes Zuges wurden tatsächlich von der Feuerwehr befreit.
Die Bahn hat aber wohl eine Weile gebraucht, um die Feuerwehr zu benachrichtigen, da liegt der Hase im Pfeffer.
es wäre eine Primärerfahrung über Sozialverhalten in Stresssituation daraus geworden. Panik war ausgebrochen, Leute riefen um Hilfe, Terroranschläge wurden befürchtet, die Helden der Stunde hebelten Türen auf, zerbrachen Fensterscheiben, machten sich auf unbekanntem Gelände in tiefer Nacht auf, um sich ins nächste Dorf durchzuschlagen, eine ältere Dame kollabierte derweil. So ist es bei rtl nachzulesen, ein Sender, der für wahrheitsgetreue Berichterstattung bekannt ist. CM befürchtet, dass nicht nur der Zug von Hamburg nach Lübeck sondern die ganze Bahn sich aufmachte, um "in die Grube zu fahren". Ach ja, Entrüstung tut gut. Wenn ich die Geschichte meinen finnischen Freunden erzähle, lachen die sich eins.
Übrigens die Bahn will den Reisenden 250 Euro zahlen, kein schlechter Stundenlohn, beim nächsten Schneefall in der norddeutschen Tiefebene bin ich dabei.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren