Leserartikel-Blog

Greifswald hat gewählt

"C'est en faisant n'importe quoi qu'on devient n'importe qui". Auf gut Deutsch bedeutet diese Aussage etwa: „Indem man irgendetwas macht, wird man irgendwer!“ Dieses Motto findet man am Ende der Videos von Rémi Gaillard und ist zu dessen Markenzeichen schlechthin geworden. Der Rostocker Sebastian Jabbusch, der gnadenlose Selbstdarsteller und selbsternannte freiberufliche Gesellschaftskritiker im Ernst-Moritz-Arndt-Kostüm, steht Gaillard allerdings in nichts nach.

Jede sich bietende Gelegenheit wird in seiner studentischen Wahlheimat von ihm auf Korn genommen - und sei sie auch noch so grotesk. Wichtig ist, das sein Name fällt, selbst in Cartoons wird er schon untergebracht. Und tatsächlich: Er ist inzwischen wer! Die einschlägigen Suchmaschienen spucken eine gewaltige Datenflut über den Greifswalder Studenten der Politikwissenschaft, Öffentliches Recht & Geschichte aus. Er beherrscht sein Handwerk, selbt in der Piratenpartei hat er es damit zum Landeschef in Mecklenburg-Vorpommern gebracht. Da bleibt das Studium zwangsläufig auf der Strecke und "kann schon ein Semester kosten, aber das ist es uns wert", so Jabbusch in der ZEIT.

Eine wirklich krachende Niederlage hat er nun zwar einstecken müssen von ebenso mündigen Studienkollegen, wie er einer sein möchte. Von 60% plus x war mal die Rede, die er für eine Uni-Umbenennung dem Senat, wo Jabbusch natürlich auch als Senator vertreten ist, als Entscheidungshilfe mit auf dem Weg geben wollte. Gut, ein grandioses mediales Getöse konnte er durchaus veranstalten, welches auch in der ZEIT völlig einseitig daherkam, aber leider blieben dafür die Mehrheiten unter seinen Kommilitonen aus! Das spielt aber nur eine untergeordnete Rolle! Wichtig ist Ruhm, sein Gelungsdrang scheint unerschöpflich.

Eine ganze Region hat am Samstag aufgeatmet, als das Abstimmungsergebnis für eine Beibehaltung des Namenspatrons Arndt bekannt wurde! Die Studierenden haben sich nicht von Jabbusch und den Uni-ohne-Arndt-Leuten ins Boxhorn jagen lassen und sind für studentische Verhältnisse in Scharen zur Wahlurne gepilgert! Bemerkenswert! Aber Jabbusch wäre nicht Jabbusch, wenn er nicht gleich nach der verlorenen Abstimmung zum nächsten Hallali blasen würde. Jetzt wird solange abgestimmt, bis endlich das Ergebnis paßt! Man darf gespannt sein!

Auch was sich das alte Schlachtroß ZEIT hier mit ihren geradezu unfaßbar oberfächlichen Artikeln zu diesem Thema erlaubt, ist wirklich nicht zu fassen! Das soll also der großartige ZEIT-Journalismus sein? Famose publizistische Arbeit sieht wahrhaft anders aus! Stattdessen solche hasserfüllten Passagen wie:

"Knappe Entscheidung: Die studentische Initiative gegen den Nazi-Namen der Uni Greifswald konnte sich in der Urabstimmung nicht durchsetzen.

Wie in Gottes Namen kommt der Autor auf "Nazi-Name"? Wo bleibt hier eine objektive Hintergrundberichterstattung? Wo bleibt eine sachliche (!) Auseinandersetzung mit dem Thema Arndt, die so wichtig wäre? Das muß auch in einem Bericht aus der Universitätsstadt Greifswald möglich sein, wo der Volkszorn so langsam überschäumt, auch wegen dieser inakzeptablen, einseitigen Herangehendsweise und Berichterstattung über Leute wie Jabbusch, die sich in selbstdarstellerischer Weise zu einem großen Ballon aufblasen und dann von dem banalen Stachel der Realität zum platzen gebracht werden!

Erschreckend und enttäuschend zugleich meine Damen und Herren von der ZEIT!

Bei Rémi Gaillard kann man sich am Ende ein Lachen nicht verkneifen, bei dieser Art von Journalismus jedoch, bleibt einem selbiges im Halse stecken!