Leserartikel-Blog

Ihre Beiträge auf ZEIT ONLINE. Zu den Blogs

Privatsphäre widerwillen

Die "Nuller-Jahre" nähern sich ihrem Ende und die westliche Zivilisation auch, mal wieder. Diesmal ist es nicht der Rock'n'Roll und auch keine Comics, nein, das Internet ist Schuld. Den aufgeklärten Nutzer wundert das freilich wenig, wohnt das Böse dem Internet doch schon in der Struktur inne.

Und was tut dieses Internet uns? Es nimmt uns unsere Privatsphäre. Wir müssen alles was wir tun Allen zugänglich machen und zwar immer. Wir müssen twittern wenn wir auf dem Klo sind und facebookn wenn wir auf eine Party gehen. Wir müssen "Freunde" suchen und sie jedem zeigen. Wir merken uns die Geburtstage unserer Follower aber nicht die unserer Mütter. Statt Plattitüden tauschen wir unsere Positionen aus, mit Google Latitude. Geht im Abendland endgültig die Sonne unter?

Bei dem Geschrei dieser Tage könnte man fast denken es wäre so. Doch eines übersehen die Kritiker dieser Entwicklung: Wir müssen eben nicht twitter, wir müssen unser Privatleben nicht mit allen teilen, nein, wir müssen das Internet noch nicht einmal privat nutzen. Aber manche Menschen wollen ihr Leben mit anderen teilen, manche brauchen es sogar und einige wenige leben auch davon. Warum also sollte man diesen Leuten erzählen, all diese Dienste seien schlecht? Muss jeder seine Daten schützen, auch wenn er es gar nicht möchte? Wird uns Privatsphäre gegenüber Unternehmen und der Öffentlichkeit bald vom Staat vorgeschrieben? Während der natürlich immer weiter in unser Privatleben eindringt, zu unserer eigenen Sicherheit versteht sich.

Brauchen wir nicht vielmehr einen Kundenschutz als einen Datenschutz? Denn wie schon ein altes Sprichwort sagt, man kann niemanden zu seinem Glück zwingen. Zu einer offenen Gesellschaft gehört es eben auch, dass manche Menschen auf ihr Privatleben verzichten. Solange sie das freiwillig und bewusst tun sollten wir anfangen uns damit abzufinden, dass das Abendland auch diesen Schock überleben wird und die Sonne auch morgen wieder aufgehen wird.

Zeige nur empfohlene Kommentare
Leser-Kommentare
  1. 1. Aufklärung?

    Man könnte aber auch die Twitterer und die Facebooker oder allgemein die Teilnehmer des Internets über die möglichen Folgen ihrer Preisgaben aufklären statt zu sagen, gut, dann sollten wir eben damit klar kommen. Eben ein Bewusstsein dafür schaffen ohne aber hysterisch zu werden, weil vielleicht einige es einfach nicht besser wissen. Das wäre möglich mit ganz einfachen Sprüchen wie zB. "Überall wo was raus kann, kann auch was rein" denke ich... ja, schon erkannt passt nicht so ganz der Spruch. Man könnte zB. auch erklären wozu Suchmaschinen noch alles "gut" sind oder wozu Profile verwendet werden können.

    Für andere wiederum kann das Internet ein Dorn im Auge sein, durchaus vorstellbar für mich.

  2. 2. Kundenschutz

    Ja, mehr Kundenschutz ist bestimmt auch nötig, vorausgesetzt ich habe erfassen können was Sie damit meinen. Datenschutz ist aber bestimmt auch nicht zu vernachlässigen denke ich. Da gibt es m.E. auch schon außerhalb des Internets ein paar merkwürdige Entwicklungen zB. im Mobilfunkbereich.

    Es grüßt ein Profil

Leser-Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren
Anzeige
Service