Leserartikel-Blog

Digitaler Nachlass - "Ich bin tot"

Wer erbt meine Daten?

Wenn sich das Leben eines Menschen in naher Zukunft tatsächlich nur noch im Netz abspielen sollte, dann könnte dort das Ableben eines Users zuerst bemerkt werden.
„Ifidie.org“ hat sich darüber Gedanken gemacht und dazu folgende Strategie entwickelt. Die Organisation bietet an Abschiedsbriefe zu verwahren und verschickt diese nach dem Tod des jeweiligen Mitglieds. Sollte allerdings jemand auf die Idee kommen vorher schon die letzten Worte lesen zu wollen, sendet der Dienst dem Nutzer täglich eine Nachricht und das bis zu zwei Wochen lang.
Wer eine Antwort schuldig bleibt signalisiert damit: „Ich bin tot“.
Nicht gerade sehr überzeugend, wie ich finde, denn der Nutzer könnte ja auch nur im Urlaub sein oder weiß der Geier wo.

Evan Carroll und John Romano von der Webseite „Thedigitalbeyond“ hingegen empfehlen einen Nachlassverwalter zu bestimmen, dem man seine Passwörter anvertraut. Weiterhin empfehlen sie man sollte festlegen, wer die Erben sind und welche Daten gegebenenfalls aus dem Netz wieder heruntergeladen, und wo sie aufbewahrt werden sollen.

Laut Evan Carroll und John Romano generiert jeder User im Laufe seines Lebens durchschnittlich eine Datenmenge von 88 Gigabyte.
Diese Daten bestehen nicht nur aus elektronischem Briefverkehr, sondern dazu gehören auch Tweets, Blogs, Kommentare sowie Status-Updates. Es wird daher geraten für die Nachwelt eine Datenauswahl zu treffen.

Ein Nutzer könnte zum Beispiel auch verfügen, dass alle seine Daten gelöscht werden und nur seine persönlichen Fotos erhalten bleiben sollen. Allerdings sind dazu gewisse technische Kenntnisse nötig, um die Daten im Sinne des jeweiligen Verstorbenen zu verwalten.
Denn heute gebräuchliche Technik könnte morgen bereits nicht mehr zur vollsten Zufriedenheit funktionieren. Daher müssen Daten, welche auf ewig bestehen sollen immer wieder in aktuelle Formate umgewandelt werden.

Alles nicht ganz so einfach, von daher würde ich sagen: nach mir die Sintflut. Andererseits wird so mancher Internet-User ja schon zu Lebzeiten von seinen jugendlichen Internet-Verfehlungen heimgesucht.

Da bleibt dann nur noch: Ist der Ruf erst mal ruiniert lebt sich’s völlig ungeniert - auch im Jenseits.

http://ifidie.org/
http://www.thedigitalbeyo...