Krise des Entscheidens
Die Krise ist omnipräsent, ist in aller Munde und quillt schon manch einem wieder zu den Ohren Raus. Dazu ein paar Gedanken:
Vor kurzem habe ich von einigen Führungskräften und Unternehmern mitbekommen, dass sie das Wort „Krise“ eben nicht mehr hören können, dass sie endlich wieder zur Normalität zurückkehren wollen. Das geht sicher vielen so, ist aber nicht besonders ratsam. Wir alle können nämlich aus dieser Krise ein paar fundamentale Dinge lernen. Dafür müssen wir aber noch genauer hinschauen und nicht gleich wieder so tun, als wäre morgen alles bald wieder so wie es gestern mal war. Ich glaube nicht, dass die Ursachen dieser Krise die vielgescholtene Gier und angeblich mangelnde staatliche Regulierung ist.
Anstatt dieser lautstarken und wenig tiefschürfenden Meinungsmache zu folgen, schlage ich vor, lieber ein paar Grundannahmen der Unternehmensführung auf ihren zukünftigen Nutzen hin prüfen. Dazu ein paar Fragen:
Erleben wir vielleicht eine Krise des Entscheidens? Könnte es sein, dass rationale Entscheidungsfindung nicht so effektiv ist, wie wir bisher annehmen? Könnte es sein, dass der der Homo Oeconomicus nie mehr war, als ein Zombie? Und könnte es sein, dass Vorhersagbarkeit und Kontrolle eine Illusion sind?
Ich glaube, wir haben verlernt, mit Nichtwissen und Unsicherheit umzugehen. Und wir haben verlernt, unsere Intuition zu nutzen. Wir brauchen einen Ausgleich zwischen Rationalität und Intuition, zwischen Kopf und Bauch. Und genau das zeigt sich ja glücklicherweise schon in einem zunehmenden Interesse an intuitiver Entscheidungsfindung. Mehr dazu finden Sie hier:
In der chinesischen Schrift ist das Wort „Krise“ aus zwei Zeichen zusammengesetzt: Gefahr und Chance. Die Gefahr dieser Krise besteht nicht nur darin, dass ein Unternehmen insolvent wird, dass es Arbeitsplätze abbauen muss oder keinen Kredit mehr bekommt. Die Gefahr besteht auch darin, einfach so weiterzumachen wie bisher. Und nicht zu sehen, dass die bisherigen Grundannahmen der Unternehmensführung zukünftig nicht mehr nützlich sind. Und die Chance besteht nicht nur darin, dass ein Konkurrent vom Markt verschwindet oder durch Zuversicht und harte Arbeit ein Wettbewerbsvorteil erlangt wird. Die Chance besteht auch darin, ein paar grundlegende Dinge in Unternehmen neu zu gestalten.
Der effektivste und nachhaltigste Veränderungshebel besteht nicht in Produkt-, Prozess- oder Geschäftsmodellinnovationen. Die größte Kraft und den größten Erfolg erreichen Unternehmen durch eine Innovation ihres Managementmodells. Aber dafür müssen wir uns von einigen nachweislich falschen Grundannehmen trennen, an denen wir immer noch kleben, weil sie uns in Sicherheit wiegen. Aber diese illusionäre Sicherheit trügt und ist eine der wirklichen Ursachen unserer Rezession über die kaum jemand spricht.
Eben die Intuition sagt einem doch, wir befänden uns nicht etwa "nur" in einer Krise des Systems, die immer noch dessen Optimierung ermöglicht. Vielmehr sei doch ein echter Phasenübergang am Werke, welcher das System beseitigt und -wie seinem Wesen gemäß- erst einmal breitflächige Zerstörung bringt, damit das unvorhersagbar Neue entstehen kann.
Wäre das Bewußtsein für einen anstehenden Umbruch, welcher keinen Stein auf dem anderen lassen wird, ausreichend vorhanden, dann flüchtete sich keiner in all das Flickwerk, einen Bau zu reparieren, dessen Fundamente doch schon sichtlich bröseln.
Doch ist sind es eben gerade die völlige Ratlosigkeit und die Haftung an geliebten Besitzständen, welche diesen Einsichten im Wege stehen.
Die Verdängung tut ihr übriges. Nun wirkt noch kurz "der konservative Reflex", um mittels alter Rezepte noch retten zu wollen, was nicht zu retten ist und dann schicken sich alle in das Unvermeidliche.
andreas - ein sehr guter ansatz - es lebe die selbstsicherheit.
weiter so!
mit freundlichem gruss
iDog
Waltomir, Sie schreiben:
"Doch ist sind es eben gerade die völlige Ratlosigkeit und die Haftung an geliebten Besitzständen, welche diesen Einsichten im Wege stehen.
Die Verdängung tut ihr übriges. Nun wirkt noch kurz "der konservative Reflex", um mittels alter Rezepte noch retten zu wollen, was nicht zu retten ist und dann schicken sich alle in das Unvermeidliche."
Da ist eine Menge dran. Manch einer nennt das auch eine "mehr desselben Lösung": Immer wieder mit denselben Mitteln die Probleme von gestern lösen wollen, obwohl diese alten Lösungsmuster und -versuche Teil und Ursache des heutigen Problems sind.
Und es ist natürlich eine Menge Angst davor, die eigene, liebgewonne Macht zu verlieren. Stimmt ja auch. Einige müssten sich eben von Ihren "Besitzständen" lösen. Aber das würde für diejenigen Damen und Herren einen Rückschritt bedeuten.
dr. andreas zeuch
intuition & nichtwissen im management
homepage: http://www.a-zeuch.de
podcast "abenteuer intuition": http://www.dasabenteuerle...
integral.blog: http://www.psychophysik.c...
iDog - Danke für die Ermutigung. Ich werde nicht so schnell müde, meine unliebsame und unbequeme und für manchen bedrohliche Sicht und die damit verbundenen Lösungsvorschläge weiter zu verbreiten.
dr. andreas zeuch
intuition & nichtwissen im management
homepage: http://www.a-zeuch.de
podcast "abenteuer intuition": http://www.dasabenteuerle...
integral.blog: http://www.psychophysik.c...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren