Leserartikel-Blog

Sarrazins Anmassungen

Sarrazin reist zur Zeit von Fernsehsender zu Fernsehsender und macht Propaganda für sein Buch. Was er dabei zur Sache sagt, ist teilweise von unglaublicher Arroganz geprägt, teilweise, ich habe "Beckmann" am Montag auf ARD verfolgt, von einem Unwissen und von einer Denkblockade geprägt, welche seine Behautung, er sei als "Sachbuchautor" tätig gewesen, einfach disqualifiziert (Frage der "Intelligenzmessung" etwa, wo Sarrazin offensichtlich keine Ahnung hat, was jedermann, der sich damit wissenschaftlich oder auch wissenmässig - notwendige zeitgenössische Sachliteratur inklusive - beschäftigt, sofort bemerkt).

Das Problem von Sarrazin steht meiner Ansicht nach in einem direkten Zusammenhang mit seiner Stellung als Vorstandsmitglied der Bundesbank: Wann, bitte sehr, hat Sarrazin in letzter Zeit seine berufliche Arbeit wahrgenommen? Sarrazin ist nicht in erster Linie "freier Autor", sondern Vorstandsmitglied einer Institution, welche ihn dafür fürstlich bezahlt, dass er seine Arbeit erdedigt.

Wie soll ein Laie derart arbeits- (allein die Lektüre...) und vor allem forschungsintensive Gebiete wie "Intelligenzforschung" oder "Genetikforschung" auch nur ansatzweise erfassen können, wenn er seine Arbeitskraft als Bundesbanker so, wie es sich gehört, erledigen soll?
Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere:
Sarrazin hat sein Buch nicht aus der Kenntnis der Sachlagen geschrieben, die er selber als "wichtig" deklariert, nämlich den tatsächlchen Stand der Problematik sogenannter Integration in der deutschen Gesellschaft.
Deshalb lässt er sich ja auch als Provokateur feiern. Ein Provokateur muss nicht "wissenschaftlich fundiert" argumentieren, er kann "zuspitzen", er kann auslassen, er kann auch wider besseres Wissen irgendwelche Zusammenhänge behaupten, welche so, wie er sie zusammenmixt, gar nicht existieren.

Kurz:
Ein Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank hat deren Aufgaben zu erledigen, nicht den agent provokateur für irgendwelchen ideologischen Kram zu spielen. Spielt er, zu eigenem Gefallen, wie man in den diversen Talkshows zur Genüge hat erfahren können, wie er sich auch in Interwievs auszudrücken pflegte (Judengene, vererbte Intelligenz und dergleichen mehr) den agent provokateur zugunsten des Verkaufserfolgs seines Buches und zur Unterstützung seiner Eteilkeit, verletzt er die Reglementarien seiner Vorstandstätigkeit bei der Bundesbank. So einfach ist das. Kein Beamter darf solcherlei Öffentlichkeit mit einem Thema, zu welchem er als Beamter nichts zu sagen hat, weil es nicht sein Sachgebiet ist, betreiben. Es exsistiert diesbezüglich schlicht eine Loyalitätsverpflichtung bezüglich der Einhaltung von Verfassung und Gesetzen.
Genau diese Verpflichtung hat Sarrazion offensichtlich verletzt, indem er rassistische Elemente in seine Buch-Öffentlichkeitsarbeit eingebaut hat.

Rassismusverkündigung ist ein Offizialdelikt. Dass Sarrazin sich selber als jemand feiert, hinter dem "die Mehrheit" stehe - wie er es bei Beckmann, sich auf eine "Umfrage" von N24 berufend, ausdrückte -, weist klar auf die eigentliche Absicht von Sarrazin: Er will auffallen. Auffallen auf Kosten von Migranten, nicht einzelner Migranten, sondern der türkisch-arabisch-asiatisch-muslimischen Menschen, die in Deutschland leben. Genau dies ist ungeheuerlich, und zwar gerade deshalb, weil nun erklärt wird, Sarrazin sage nur, was "die Mehrheit" denke. Indem er solcherlei selber in die Welt setzt, stellt er sich ausserhalb des Rechtsstaates. Das Recht ist nicht von der "Mehrheit" abhängig, sondern vom gesetzten Recht. Rechtsveränderungen werden nicht durch Leute wie Sarrazin und "die Mehrheit", sondern durch die Regeln des demokratsich verfassten Rechtsstaates vorgenommen. Punkt und basta.

Dass Sarrazin nicht mehr dem Vorstand der Deutschen Bundesbank angehören kann, wie seine Vorstandskollegen festgestellt haben, ist einsichtig. Es hat nichts mit angeblicher "Unterdrückung der Meinungsfreiheit" zu tun, wenn der Bankvorstand feststellt, dass sich Sarrazin nicht an die Benimmregeln der Bundesbank hält. Indem er diesem Vorstand beigetreten ist, hat er sich selbstredend verpflichtet, dessen Benimmreglen anzuerkennen. Und genau das hat Sarrazin nicht gemacht. Also gehört er abgesetzt.

Schliesslich eine letzte Bemerkung:
Wie man in den Wald hineinruft, so schallt das Echo zurück. Oder: Wer andern eine Grube gräbt...