Leserartikel-Blog

Katholische Dogmatik und katholischer Gehorsamszwang

In der Diskussion um den sexuellen Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester wird von katholischen Diskutanten vornehmlich darauf verwiesen, dass Mißbrauch auch anderswo vorkomme, etwa an "wetlichen" Schulen, in Sportvereinen, in Familien. Der Tunnelblick auf katholische Priester, welcher gegenwärtig in Deutschland als Waffe gegen die katholische Kirche eingesetzt werde, sei scheinheilig.
Allerdings wird die auffallend grosse Zahl von sexuellem Mißbrauch in katholischen Einrichtungen mit solchen Abwehrreaktionen nicht aus der Nachrichtenwelt vertrieben. Dieser Misbrauch ist vieleorts in der quasi geschlossenen katholischen Verbandswelt ziemlich systematisch betrieben worden. Das Beispiel Irland gibt dazu mehr als genug Faktenmaterial her.

Man kann sich die Frage stellen, weshalb es eine derartige Häufung von sexuellem Mibrauch ausgerechnet in Einrichtungen, die angelich im Dienste der Armen, der Schwachen oder einer christlich-katholischen Eliteausbildung stehen, kommt.

Eine etwas schnell vorgetragene Antwort lautet:
Der Zölibat ist es.
Er schaffe Vereinsamung, produziere Sehnsüchte nach Nähe, die offen nicht erfüllt werden dürfen, ziehe inzwischen immer mehr unreife Leute an, welche nicht bereit seien, Beziehubngsrisiken einzugehen und schliesslich sei er Grund für viele pädophil Veranlagte, sich in einer Grossorganisation der Öffentlichkeit zu entziehen.
Pädophelie ist, sexualwissenschafltich heute ziemlich unumstritten so verstanden, nicht Ausdruck von frustrierter Sexualität, welche sich so etwas wie einen Abreaktionsraum schaffen müsse, sondern Veranlagung.
Sexualfrustration kann unter Annahme dieser Einschränkung zwar Folge des Zölibats sein, Mißbrauch von Kindern aber nicht deren grenzüberschreitende "Überwindung" darstellen. Vielmehr könnte es so sein, dass pädophil Veranlagte tatsächlch vermehrt den Dienst in der katholischen Kirche, verbunden mit deren Zölibatsbefehl, suchen. Die Häufung von Kindesmißbrauch in klerikalen Sturkturen spricht schon auch für diese Vermutung.

Anders könnte es mit dem Misbrauch von jungen Erwachsenen, also von Menschen am Ende ihrer Pubertät - und diesbezüglich von den Mißbrauchsfällen, welche etwa am ¨Canisius.-Kolleg" in Berlin geschehen sind - sein: Hier müsste man den Misbrauch begrifflich anders ausdrücken. Man muss vom Mißbrauch von Abhängigen sprechen. 16- oder 17jährige Schüler sind in einem hierarchisch aufgebauten Gymnasium klassischer jesuitischer Prägung von ihren Lehrern abhängig. Die Lehrer führen ihre Schüler in den elitären Dienst an der Kirche ein. Jahrhundertelang war dieser Aspekt Grundlage jeuitanischer Bildungsarbeit, was ihr unter anderem wohl zu Recht auch den Ruf konsequenter Qualitätsarbeit im Bildungsbreich eintrug. Ziel war, und ist es vermutlich immer noch, eine überdurchschnittlich lebenstüchtige, machtbewusste, auf Interessenwahrnehmung der katholsichen Kirche in der Welt hin orientierte Ausbildungssturktur zu schaffen.

Die katholsiche Laien-Elite soll die Macht der katholischen Kirche stützen.
Dabei ist zu berücksichtigen:
1. Die Hierarchie in dieser Kirche ist genauestens definiert. 2. Das kanonische Recht zählt weltweit als allen anderen, also nationalen, völkerrechtlichen und menschenrechtlichen Rechtssystem übergeordnete Rechts-Instanz, die für alle Katholiken als solche zu gelten hat.
3. In der Dogmatik der katholischen Kirche gibt es keine Rechtsdiskussion, weil es keine Korrekturen an bisher geltenden Rechtsnormen gibt. Alle geltenden Normen des kanonischen Rechts werden als gottgegeben angesehen. Und Gottgegebenes (etwa das in Frfagen der Sexualität von der katholischen Kirche immer wieder reklamierte "Naturrecht")ist eben gottgegeben, das heisst unerschütterlich und allein gültig. Es ist dem Prinzip des Lebensprozesses entzogenes Recht, und damit ist es auch dem Prinzip von in Gesellschaftsentwicklungsprozessen begründeten Veränderungen entzogen.

4. Mit Wissenserweiterung, mit naturwissenschafltichem Erkenntnisgewinn, mit sozialen und individualen Prozessen jeglicher Art kann die katholische Dogmatik wenig bis nichts anfangen. Das kanonische Recht verlangt Unterwerfung unter seine Rechtsaussagen, Unterwerfung und damit blinden Gehorsam.

5. Weit über diese ausdefinierte Rechtssituation hinaus prägt Gehorsam die katholische Kirche. Der Papst verlangt die Unterwerfung der Kirchenmitglieder unter seine verkündete Auslegung der Lehre der Kirche.

Beispiele?
Als Papst Joahnnes Paul II. Nicaragua besuchte, verwiegerte er dem vor ihm knienden Ernesto Cardenal, damals Kulturminister der Sandinisten, den gruss und beschimpfte ihn, warf ihm Ungehorsam vor.
Als der gleiche Papst Chile besuchte, betete er zusmamen mit dem damaligen Mörderdiktator Pinochet in dessen Privatkapelle.
Mord, so musste man zu kenntnis nehmen, Vergewaltigung, betrieben durch Pinochets Soldateska, fiel nicdht der Verurteilung des Papstes anheim. Infragestellung gewisser krichenpolitischer Sturkturen und deren Auswirkungen aber sehr wohl.
Dasselbe kann man in der Frage des DSchwangerschaftsabbruhcs feststellen:
Die katholsichen Bischöfe der USA riefen vor 5 Jahren zur Wiederwahl von Bush jr. auf, weil er gegen die Entkriminalisierung des DSchwangerschaftsabbruchs Stekllung bezogen hatte. Dass der gleiche Präsident mit seinem völkerrechtswidrigen, auf Kügen aufgebauten Irakkrieg Hunderttausnde Mnescdhen töten, Folter als Machtmittel einsetzen, gezielten Mord als berechtigte Mafhthandlung ausführen liess, kümmerte diese Bischöfe nicht. Es waen dies die gleichen Bischöfe, die wärhend Jahren nichts dabei fanden, den sexuellen Mißbrauch von Kindern und Abhägigen in grosser Zahl und so lange es giong, entgegen besserem Wissen zu leugnen und die Täter vor dem Zugriff durch Rechtsinstanzen zu schützen.

Mit anderen, genauen Worten: Gehorsam ist wichtiger als Verhinderung einer verbrechersichen Tat, deren Häufigkeit in ihren Klerikerreihen sie weder zu untersuchen noch wirklich zu unerbinden versucht hatte.

Vielmehr ist es so, dass die katholische Kirche ihre Sexuakmoral seit Jahrhunderten dazu mißbraucht hat, kaum mehr aufzuhebende lebenslange Abhägnigkeiten von ihrer "Gnade des Vergessens" zu schaffen. Ihre Moralkeule namens "Sex" bruacht sie, um schlechtes Gewissen bei den Gläubigen zu erzeiugen, damit sie als Ganadenvermittlerin, als Spenderin des Skramatens der Busse und nachfolgender "Vergebung" eine einzigartige Machtstellung gegenüber dem Individuum und seiner Natürlichkeit erhalten konnte.

Meiner Ansicht sollte dieser Umstand, eine Dogmatik der Unterdürckung, um es genau zu formulieren, welche offenbar unvezichtbarer Bestandteil der katholischen Hierachiemacht ist, vermehrt in die gegenwärtige Mißbrauchsdiskussion eingeführt werden.