Leserartikel-Blog

Ihre Beiträge auf ZEIT ONLINE. Zu den Blogs

Dinosaurier unter sich

Eine Replik auf "Darf unsere Wirtschaft noch wachsen?"

Sie sind mitten unter uns, Dinosaurier aus den ´80ern welche versuchen Probleme der Zukunft mit Laufrädern der Vergangenheit zu beantworten.

Was wohl Wolfgang Uchatius Kuhfladen-Bauern dazu sagen würden das inzwischen über 120mio Tonnen, das sind 40% der US-amerikanischen Maisproduktion und damit ein siebtel der weltweiten Produktion zu Kraftstoff vergoren wird? Von der Menge alle aus den USA könnten 350 mio seiner Kuhfladenbauern ein Jahr lang leben. Selbst in Deutschland sind es nach Angaben von Bioventa 17% der Anbaufläche.

Das hat die Intensität der von Heusers gewünschten Staatseingriffen - mit unabsehbaren Folgen für die Kuhfladenbauern. Gefordert ist daher eine Sinnhaftigkeit von Maßnahmen, nicht deren Existenz. Womit wir beim zweiten Thema wären, der Energieerzeugung. Da zieht Uchatius einen Richard Heinberg hervor der schon einmal erklärt das die Nettoenergie, also das, was wir an alternativen Energien herausbekommen wenn wir die investierte Energie abziehen, nicht ausreicht um uns weiterhin wie bisher zu versorgen. Dies u.a. weil PV-Anlagen so schlecht, Windräder zu materialfressend und Wasserstoffwirtschaft zu Verlustreich sind (Heinberg, 2004/2005).

Vielleicht sollte man dabei einmal erwähnen das sowohl Heinbergs Windräder als auch Solarzellen mit negativem EROEI (energy return on energy invested) begonnen haben. TREC/Desertec war damals vielleicht noch so weit weg wie Parabolrinnenkraftwerke und Fresnel-Kollektoren. Letztere haben in Wüsten einen EROEI von 6 Monaten, Parabolrinnen lt. Schott einen von 5 Monaten. Das bedeutet das man die Flächen innerhalb eines Jahres fast verdoppeln kann. Und das ist heutiger Stand der Technik.

Womit wir beim nächsten wäre - Schlussendlich geht es hierbei ja um Wachstum. Man kann Jean Heuser in manchem Zustimmen. Ressourcen sind zum Teil "endlich". Das betrifft insbesondere Metalle, seltene Erden, Land etc.. Aber Wachstum besteht nicht nur daraus und es ist verfehlt "den Kapitalismus" (was immer das sein soll) oder Wachstum auf den "Verbrauch(!)" von diesen Ressourcen zu reduzieren. Wachstum hat m.E. vor allem auch etwas mit Qualitätszuwächsen zu tun. Das schlägt sich in Entwicklungen vom ersten Growian bis zu modernen Anlagen auf Offshore-MUFOWS nieder. Auch die Entwicklung weg von der Industriegesellschaft hin zur Dienstleistungsgesellschaft hat sich in Teilen bereits vollzogen.

Die "Ökosteuer" als fortschrittliche Abgabe zu bezeichnen ist mehr ein Hohn als Realität. Ein Kniefall vor dem Begriff. Das ist am ehesten damit zu vergleichen das man eine AKW-Abgabe einführt. Was viel wirksamer, nachhaltiger und ökologischer war ist das EEG. Hätte man sämtlichen Ökosteuer-Beträge stattdessen in die Erforschung und Ausweitung des Sektors der enerneuerbaren Energien und Speichertechniken fließen lassen wäre man mit einiger Sicherheit bereits weiter als heute. Vielleicht würde das größte sich in Planung befindliche Pumpspeicherkraftwerk Atdorf bereits heute am Netz.

Vermutlich geht es Heuser aber wohl gar nicht um die ökologische Wirkung. Heuser meinte wohl eher die Wirkung als erzieherische Maßnahme für uns alle. Das halte ich für völlig fehl am Platze und hat die Dimension eines Plakates mit verdurstenden Afrikanern um eine Wasserstop-Taste am heimischen WC oder Glühbirnenverbote durchzuboxen.

Es wird - und das ist m.E. technisch wie wirtschaftlich gesichert extrapolierbar - zumindest keine Energieknappheit in der Zukunft geben, auch ohne Kernfusion ins Spiel zu bringen. Dazu muss man jedoch über den Tellerand der Altgrünen der ´80er Jahre und der "Generation ATTAC" von heute hinaus schauen. Das ist den Autoren des Artikels leider nicht gelungen. Sie erklären die Zukunft mit der Vergangenheit. Das ist nicht zukunftsweisend - Dinosaurier im Jahre 2030.

Realistische, fortschrittliche Visionen sehen anders aus. Die Orientierung an einer Zukunft welche lebenswert und bewahrend ist sollte man nicht zugunsten einer Zeigefinger-Mentalität aufgeben. Man kann alles - wenn man es richtig macht, und ist am Ende dann auch mit einem Glücksgefühl verbunden ohne das man erst durch ein Martyrium maßregelnder altvorderen zu gehen hat.

Zeige nur empfohlene KommentareZu den neuesten Kommentaren
Seite 1 von 3
Leser-Kommentare
  1. 2. Ebenfalls Danke @aloa5

    Fuer den Artikel und den Appell, zum Glueck haben wir jetzt eine Energiesitzung. Dann sind alle Dinosaurier in einem Kaefig und bleiben uebersichtlich.

  2. 3. Ebenfalls Danke @aloa5

    Fuer den Artikel und den Appell, zum Glueck haben wir jetzt eine Energiesitzung. Dann sind alle Dinosaurier in einem Kaefig und bleiben uebersichtlich.

  3. 4. Ebenfalls Danke @aloa5

    Fuer den Artikel und den Appell, zum Glueck haben wir jetzt eine Energiesitzung. Dann sind alle Dinosaurier in einem Kaefig und bleiben uebersichtlich.

    • 05.04.2011 um 13.29 Uhr
    • aloa5
    5. Danke

    Ich bedanke und freue mich über Ihre Zustimmung.

    Grüße
    ALOA

  4. 6. und nochmals DANKE

    Sehr richtiger und wichtiger Artikel!
    Ganz besonders wichtig ist - in Zeiten von Lobbyabhängigkeit, Stimmenfang und Wischie-Waschie-Politik -, folgende Passage immer im Bewusstsein zu halten:

    "Vermutlich geht es [...] aber wohl gar nicht um die ökologische Wirkung. Heuser meinte wohl eher die Wirkung als erzieherische Maßnahme für uns alle. Das halte ich für völlig fehl am Platze und hat die Dimension eines Plakates mit verdurstenden Afrikanern um eine Wasserstop-Taste am heimischen WC oder Glühbirnenverbote durchzuboxen."

    Danke ALOA5.

    • 05.04.2011 um 15.51 Uhr
    • aloa5
    7. Glückspolitik

    Das mit Wasserspültasten und Glühbirnen sind Gesetze welche dazu dienen das sich Bürger "glücklich" fühlen. Man fühlt sich besser wenn man die Wasserstopp-Taste drückt oder den Müll trennt.
    Das die Halbierung der Wassermenge seit den ´70ern keinen Afrikaner vor dem Verdursten gerettet und die Regenmenge auch nicht abgenommen hat -- oder u.U. der Gelbe Sack bei der Müllverbrennungsanlage in den gleichen Ofen kommt.... ist nicht relevant. Der Bürger hat das Gefühl er hat etwas gutes getan, denn irgend jemand muss ja etwas tun und jeder kann(soll) etwas dazu beitragen können.

    Wen interessieren daher auch Quecksilberdämpfe und Entsorgungsprobleme oder Licht bei welchem noch vor Jahren empfohlen wurde das man doch Neonröhren von Arbeitsplätzen fernhalten solle weil das (ironischer Weise) unglücklich(t) macht.

    Grüße
    ALOA

  5. 8. 3 mal gepostet

    Ihr Artikel hat mir so gut gefallen, ich musste mich gleich 3 mal bedanken.

    mgfg F.M.B.

  6. 10. Danke, danke.

    Aber wenn man heutzutage die Kraftmaschinen des Mittelalters (Windenergie) als "Zukunftstechnologien" verkauft, obwohl diese nach 30 Jahren F&E natürlich ewig von der Wirtschaftlichkeit weg sind und aufgrund des mangelhaften Grundkonzeptes auch für immer bleiben werden, darf man solche Ideen auch nicht allzu ernstnehmen.

    Genauso Photovoltaik: Eine Technologie aus den 40er Jahren, dank ihrer großen Nützlichkeit für die Raumfahrt sehr gut entwickelt, deckt bis heute 0% der Weltstromversorgung.

    Ich empfehle an dieser Stelle auch den schon etwas älteren Leserartikel von "Vorwärts_Immer" zur "Nachhaltigkeit.

  7. 11. Wissensfreiheit

    Das ist eigentlich Grundwissen:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Was Atorf und Pumpspeicher betrifft so frage ich mich, wozu? AKWs u. Kohlekraftwerke wird es nicht mehr lange geben, warum also noch mehr Pumpspeicher?
    Ein Pumpspeicher-Betreiber verlangt 2-4 Ct/kwh um auf seine Kosten zu kommen (sofern täglich einmal geladen und entladen wird).
    Was wird geschehen wenn
    1) 7 Tage viel Wind weht u. der Pumpspeicher nicht entladen werden kann?
    2) 7 Tage kein Wind weht u. der Pumpspeicher nicht geladen werden kann weil der kwh-Preis zu hoch ist?
    In beiden Fällen fehlen dem Betreiber die 2-4 Ct/kwh pro Tag. Er müßte nach 7 Tagen also das 7fache verlangen. Aber das ist wohl unrealistisch.

    Fazit: Die Lösung kann nur Windgas bzw die Methanisierung von Strom sein.

  8. 12. ausführlicher:

    http://community.zeit.de/...

    ist dieser Leserartikel, der mich ein bisschen an den von mir zitierten erinnert.

Leser-Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren