Leserartikel-Blog

Ihre Beiträge auf ZEIT ONLINE.

Nachgedanken: IM NACHTZUG

Neulich im Nachtzug saß eine Frau neben mir im Abteil und las in der Zeitung eine Geschichte, die ich erst neulich geschrieben hatte. Natürlich wusste sie nicht, dass ich der Autor war. Ich bin aber nicht mehr in einem Alter, in dem ich mich vor Stolz spreizen müsste. Dabei bin ich durchaus ein eitler Mensch. Aber diese Eitelkeit kultiviere ich schon lange nicht mehr. So bin ich also tagsüber nur noch ein Realist, der Steuern zahlt. Aber auf der anderen Seite bin ich klamm heimlich ein Mensch, der sich weigert, erwachsen zu sein.[weiter…]

„RÜBENSÜSSCHEN“ & „MACHO“

Das „Rübensüßchen“ war eine blutarme Kreatur, die im 19-ten Jahrhundert nach dem „Riechfläschen“ verlangt hätte. Eine scheinbar ferne Zeit, an die sich vermutlich kein Leser mehr erinnert, auch wenn diese Zeit gelegentlich in unsere Gegenwart hinüberweht. Aber „Rübensüßchen“ lebte immerhin schon im 21-igsten Jahrhundert. Und da wurde das „Riechfläschen“ durch den Heilpraktiker ersetzt.[weiter…]

DER FLANEUR

Für mich ist das „Schreiben“ eine andere Form der Entspannung. Dabei habe ich den Wunsch mich zu vergessen, wenn ich mich erinnere. Oft fühle ich mich dabei wie ein Schmetterlingssammler, der seine Beute aufspießt, um sie dann später in der Vitrine auszustellen.
Das ist eine seltsame Existenz oder ein Rollenspiel in immer neuen Masken. Die Rolle des Außenseiters habe ich schon als Kind akzeptiert. Ja, ich liebe diesen Zustand geradezu. Und trotzdem bin ich kein Mensch, der sein Leben nur dichterisch ertragen könnte.[weiter…]

JOHANNES, der Priester

Wenn er seinen „Ornat“ abgelegt hatte, merkte man nicht, dass er Priester war. Im Gegenteil, er spielte gelegentlich die Rolle des gelassenen Erfolgsmenschen, der trotzdem bescheiden blieb. Dabei hatte er gute Manieren und das fiel auf.
Gut, seine Freundlichkeit durchzogen gelegentlich zeremonielle Schwaden, die an Weihrauch erinnerten, wenn man dann gewusst hätte, dass er Priester war. Aber vielleicht lag das auch nur daran, weil Johannes Teetrinker war und „seinen“ Tee nur nach bestimmten Regeln aufgoß. Erst dann konnte er mit seiner Arbeit als „Gesprächstherapeut“ beginnen:[weiter…]

MONIKA MORBAH - engagierte Bürgerin ohne „Lobby“

Gelegentlich lese ich die Lokalausgabe meiner „Heimat“-Stadt G. Immerhin ging ich dort in die Schule. Und so las ich neulich eine kleine Nachricht in dieser Lokalzeitung, die mich neugierig werden ließ:
Eine ältere Dame, die ehrenamtlich im Seniorenheim arbeitet, bittet die Redaktion darüber nachzudenken, die Schriftgröße der Zeitung zu vergrössern. „Dann können ich und die Menschen, denen ich die Zeitung heute noch vorlesen muß, die Zeitung selber lesen.“[weiter…]

KURVENDISKUSSION

Wenn ich auch die „Welt“ nicht erklären kann, so möchte ich doch meiner Geschichte einen höheren Sinn verleihen. Also stöbere ich immer wieder in meinen Akten und Briefen herum, bevor ich sie im Schredder vernichte. Um den Alltag in seiner Banalität nicht abzulehnen, versuche ich die Welt, die mich umgibt, schreibend zu verstehen. Und gleichzeitig suche ich den unscheinbaren Augenblick, der mir seine Freiheit garantiert. Auch ich weiß, es gibt ein Leben jenseits der Worte. Aber warum sollen wir darüber schweigen, was uns wichtig ist?[weiter…]

KOMMENTAR & KIESELSTEIN

Ich bin ein Leser, der das, was er liest, mit Randbemerkungen versieht. Da fehlt mir jede Ehrfurcht. Nur so lässt sich ein entspanntes Verhältnis zur Literatur herstellen. Ich skizziere meine Kommentare an den Rand und ergänze so notizenhaft den Text. Und während ich das, was ich lese, interpretiere, wird die Interpretation zu einem neuen Text. Natürlich fällt mir, dem Autor, der Autor immer wieder ins Wort. Und plötzlich reden wir durcheinander wie ein verliebtes Paar oder wie ein gereiztes Ehepaar. Kein Mensch lässt sich gern unterbrechen.[weiter…]

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