Schiller und Goethe: Ein erster flüchtiger Kontakt
Zu: "Die waren schon dicke miteinander", ZEIT Nr. 34
Als alter Rudolstädter weiß ich, dass die erste Begegnung der beiden tatsächlich in meiner ehemaligen Heimatstadt stattfand. Der flüchtige Kontakt am 4.12. 1779 während der Stiftungsfeier in der Stuttgarter Militärakademie war dagegen nur ein unbedeutendes und beiläufiges Vorspiel.
Goethe war bei dieser Feier zwar anwesend, aber er hat Schiller noch nicht einmal richtig angeblickt. Die erste Begegnung der beiden erfolgte dann tatsächlich erst neun Jahre später in Rudolstadt.
Nach seinem zweijährigen Italienaufenthalt war Goethe im Mai 1788 wieder in Weimar eingetroffen, und Schiller hoffte sehr, ihm dort zu begegnen. "Göthe ist jetzt bei Ihnen", schrieb er an den Weimarer Landrat Ridel, "ich bin ungeduldig, ihn zu sehen."
Doch der so Begehrte zierte sich und wollte nicht. "Ich vermied Schillern", erinnerte er sich später, "die Erscheinung des ‚Don Carlos’ war nicht geeignet, mich ihm näher zu führen, alle Versuche von Personen, die mir und ihm gleich nahe standen, lehnte ich ab, und so lebten wir eine Zeitlang nebeneinander fort."
Als der Geheimrat Anfang September seine alte Muse und Freundin Charlotte von Stein auf deren Landsitz in Großkochberg in der Nähe von Rudolstadt besuchte, waren es drei Frauen, die ein Komplott schmiedeten, nämlich Frau von Stein und die beiden mit Schiller schon verbandelten Lengefeld-Schwestern Caroline (inzwischen eine verheiratete von Beulwitz) und Charlotte, die spätere Ehefrau Schillers. Sie arrangierten eine erste Begegnung der beiden Dichter.
Dieses historische Treffen fand am 7. September im Salon des damaligen Wohnhauses der Familien Beulwitz-Lengefeld, dem heutigen Schillerhaus statt, dessen Besuch ich sehr empfehle!
Da sich dieser Salon, wie man immer noch sehen kann, im vorderen Teil des verwinkelten Hauses befindet und damit zu den Gemächern derer von Beulwitz gehörte, war Caroline von Beulwitz und nicht, wie geschildert, deren Schwester Charlotte Lengefeld die obligatorische Gastgeberin dieser denkwürdigen Begegnung.
Aber das Treffen wurde in der Tat ein Misserfolg, weil Goethe sich immer noch distanziert gab. Erst sechs Jahre später fanden die beiden Dichter-Fürsten so richtig zueinander und schlossen einen "Bund des Geistes und der Liebe".
Dr. Knut Henßler, Falkensee
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