Die Geschichte beginnt des IPO beginnt lange vor der Staatsgründung Israels

Zu: "Musik im Ausnahmezustand", ZEIT Nr. 32

Dass das Israel Philharmonic Orchestra (IPO) einen ganz besonderen Klangkörper darstellt, ist so unbestritten wie Zubin Mehtas Feststellung, dass das Orchester immer mit seiner Geschichte musiziert.

Und weil diese Geschichte einen Teil des Orchesters ausmacht, sei hier eine Ergänzung zu den Anfängen gemacht. Das Orchester wurde 1936 von Heinrich Simon und Bronisław Huberman unter dem Namen Palestine Symphony Orchestra gegründet. Bereits 1938 hatte Huberman Leo Kestenberg, den Busoni-Schüler und Preußischen Ministerialbeamten aus Berlin, der 1932 wegen seiner jüdischen Herkunft aus dem Staatsdienst entlassen wurde und emigrieren musste, dafür gewonnen, das Amt des Generalmanagers dieses Orchesters zusammen mit Shlomo Lewertoff als seinem Generalsekretär zu übernehmen.

Kestenbergs Anliegen war von Anfang an auf die Integration der aus Europa emigrierten jüdischen Musiker in ihre neue Heimat gerichtet. Der dazu notwendige Hebräisch-Unterricht wurde sogar aus dem Orchesterfonds bezahlt. Auf Integration setzten auch seine Programme, die neben den großen Werken der europäischen Klassik und zeitgenössischen Kompositionen gerade auch die Werke junger Komponisten des Landes enthielten, u.a. von Uri Boscovitz, Karel Salomon und Paul Ben-Chaim.

Kestenberg war darum bemüht, die gefühlte okzidentale (deutsche) Identität des Orchesters allmählich mit der orientalen Welt zu verbinden und so eine west-östlichen Brücke zu bauen – ein Versuch, der erst Daniel Barenboim, einem Kestenberg-Schüler, mit dem West-Östlichen-Diwan-Orchester ansatzweise gelungen ist. Die Geschichte des IPO beginnt also lange vor der Staatsgründung Israels mit dem Palestine Orchestra, das als ein neues Orchester in Palestina gebildet worden war.

Prof. Dr. Wilfried Gruhn
Buchenbach, bei Freiburg

Kategorien
Leser-Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren
Anzeige
Service