Leserartikel-Blog

Ihre Beiträge auf ZEIT ONLINE. Zu den Blogs

Aaaachtung!!!

Bitte um Aufmerksamkeit und bequeme Haltung einzunehmen. Vielen Dank.

Ich grüße Sie und komme umgehend zum Thema:
Als staatlich zertifizierter und mehrfach dekorierter Kriegsdienstverweigerer vernehme ich, dass die Bundewehr anlässlich der kommenden NATO-Tagung im deutschen Südwesten u.A. neu positioniert werden will. Ich nehme das zum Anlass, die Frage zu stellen, wohin die Reise gehen soll. Die Frage stellt sich ernsthaft: Lassen wir sie wursteln, die Friedensmechaniker an der Waffe, oder haben wir etwas dazu zu sagen, wie die Welt gerettet wird?

Etwa zu der Art des Einsatzes der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Tun Sie mir den Gefallen und schieben mal die Diskussion um den grundlegenden Sinn oder Unsinn des Einsatzes für den Moment beiseite und lenken die Aufmerksamkeit darauf, was die Bundeswehr dort macht. Mir jedenfalls fällt auf, dass dort in unserem Namen keineswegs nur geschossen wird, und es spricht doch manches dafür, dass die Nachrichten, die für uns erreichbar sind, nicht ganz daneben liegen. Die Deutschen kümmern sich auch um den Aufbau von Infrastrukturen wie Krankenversorgung, Schulen, Wasserversorgung und manches mehr so gut es eben geht. Für meine Begriffe ist das außerordentlich bemerkenswert. Mir ist keine moderne Armee bekannt, die solche Umtriebe für notwendig erachtet. Und weil Deutschland auf die Art nicht nur Pulver und Kanonen durch die Welt karrt, sondern noch etwas anderes.

Der kundige Kritiker mag einwenden, dass das doch nur eine fromme Tapete für brachiale Hegemonie darstellt oder auch, dass mit dem Argument eine Steilvorlage für Kriegstreiber im Schafspelz geliefert werde. - Kann sein. Die Gefahr ist offensichtlich. "Arzte ohne Grenzen" beispielsweise beklagten nicht nur einmal, dass hilfesuchende Zivilisten nicht mehr in der Lage seien, zwischen den kämpfenden und den humanitären Einsatzkräften unterscheiden zu können. Weshalb eine wirkame Hilfe in Notlagen deutlich erschwert werde. Eine echte Schwierigkeit, zumal manche die Verwirrung gezielt für ihre Zwecke nutzen.

Ist der Ansatz aber trotz aller Schwächen nicht trotzdem bedenkenswert? Was verlieren wir, was gewinnen wir, wenn wir somalische Piraten, letztlich Hungerleider, die nicht wissen, wie sie ihre Familien durchbringen sollen und darunter sicher auch einige echte Kriminelle wie überall, zwar festsetzen, sie aber nicht irgendwelchen Lakaien der Mächtigen überlassen, die zweifellos auch Raubritter sind, sondern einer rechtsstaatlichen Behandlung unterwerfen, die wir vertreten?
Was fürchten wir, wenn die Bundeswehr Schulen in Afghanistan baut?

Ich staune und kann nicht anders, als den Ansatz respektvoll zu betrachten. Er verdient Unterstützung und gehört in unseren einschlägigen Statuten verankert.
Finden Sie nicht?

P.S., Das Intro betreffend: Nicht jede schnuckelige Katze, die die einem gefällig ins Ohr schnurrt, ist den Menschen wohlgesonnen und einer der verlaust und angesoffen aus dem Mülleimer kräht, hat nicht unbedingt immer unrecht.

Leser-Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren