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Porno, na und?
Seit Jahren warnen Medien vor der "Generation Porno". Angeblich schwappt eine Welle von Online-Sexsüchtigen übers Land. Hysterie oder Wirklichkeit?Von Martin Gantner
http://www.zeit.de/online/2008/50/porno-hysterie
"(...) wird mal wieder innerhalb der Grenzen der Hetero-Normativität verhandelt. Langweilig!"
Im Rahmen meiner ehrenamtlichen Arbeit recherchiere ich derzeit über Gay-Pornos und ihre Verankerung innerhalb der schwulen "Pop"-Kultur.
Ich selbst bin mit schwuler Pornografie aufgewachsen und habe damit kein Problem. Ich lebe in einer stabilen schwulen Partnerschaft, ich verliere nicht den Blick für die (sexuelle) Realität und ich neige auch nicht dazu Porno als "Ersatzdroge" für gelebte Sexualität zu benutzen. Selbstbestimmte sexuelle Handlungen von Erwachsenen (vor der Kamera) ... so what?
Auf die "Rand-Aspekte" innerhalb der heterosexuellen Porno-Szene (Stichworte: Sexismus, frauenverachtende Tendenzen usw.) gehe ich nachfolgend nicht ein (das werden andere machen):
Schwule Pornografie (früher VHS-Videos, heute DVDs und Internet) wird seit den 1970er Jahren geprägt von den großen kalifornischen Produktionsfirmen, wie Falcon, Colt (schwule Inhaber und schwules Personal) u.v.a. Diese haben mit ihren häufig "zu perfekten Männerkörpern" die Wunschphantasien von Generationen schwuler Männer angeregt. Ich spreche übrigens von Hardcore-Pornos (das bedeutet nicht etwa "gewalttätig", sondern ist lediglich als Abgrenzung von sog. Sex-Filmen gemeint ... die einen zeigen "alles", auch in detaillierten Großaufnahmen, die anderen zeigen im Grunde nichts und täuschen Sexakte meist nur vor).
Seit einiger Zeit gibt es ein gewisses "Gegengewicht" zu diesen amerikanischen West-Coast-Produktionen. In den U.S.A. ist das vor allem der New Yorker "Prince Of Gay Porn" MICHAEL LUCAS, mit seiner in New York ansässigen Produktionsfirma LUCAS ENTERTAINMENT. In Frankreich ist kürzlich der für seine aufwendig und oft in Spielfilmlänge, mit Rahmenhandlung, produzierten Gay-Pornos bekannte "Pionier" JEAN-DANIEL CADINOT nach einem erfüllten Leben an einem Herzinfarkt gestorben. In Deutschland hat besonders die in Berlin ansässige Firma CAZZO Pionier-Arbeit auf dem Gebiet schwuler Pornos geleistet (raus aus den Studios, die Handlungen direkt in die schwule Szene verlegen, Filme mit Rahmen-Handlungen, oft mit Laien-Darstellern, aber trotzdem hochprofessionell umgesetzt, was Regie, Kameraführung, Licht, Maske usw. angeht).
Ich selbst bin ein großer Fan von MICHAEL LUCAS. Geboren 1972 als Sproß einer jüdischen Familie in Moskau unter dem bürgerlichen Namen Andrei Treivas Bregman, studierte er zunächst in Moskau Rechtswissenschaften mit Abschluss, gründete anschließend in Moskau ein Reisebüro, wanderte 1995 über Berlin und Frankreich schließlich in die U.S.A. aus. Er arbeitete in Europa zunächst als Fotomodell, wirkte in zwei schwulen JEAN-DANIEL CADINOT-Hardcore-Pornos als Darsteller mit und erarbeitete sich schließlich in New York als Escort (hochbezahlter Begleiter und sexueller Dienstleister für Männer) den finanziellen Grundstock für seine eigene schwule Porno-Produktionsfirma LUCAS ENTERTAINMENT.
MICHAEL LUCAS will die schwulen Pornofilme aus der "Schmuddel-Ecke" herausholen und innerhalb der schwulen Pop-Kultur etablieren. Er investiert viel Geld in die Produktionen und ... er hat Erfolg damit: Im Jahre 2000 erhielt er den Adult Erotic Gay Video Award, als "Best Newcomer - Director" und auch in den Folgejahren erhielt er zahlreiche Branchen-Auszeichnungen sowohl als Darsteller in seinen eigenen Produktionen, als auch als Director und Producer ... Häufig haben seine Produktionen Spielfilmlänge und überraschen mit durchdachten Rahmenhandlungen, Außenaufnahmen und realistischem Umfeld. Damit kein Mißverständnis entsteht, es handelt sich um Hardcore-Filme und nicht um "weichgespülte" Sexfilmchen.
LUCAS lebt zusammen mit seinem Lebenspartner, einem australischen Geschäftsmann, in New York, er engagiert sich leidenschaftlich für Israel und hat u.a. vor schwulen israelischen Soldaten Live-Performances abgehalten (mit Billigung der israelischen Armeefürung). Er wurde als einer der ersten schwulen Hardcore-Porno-Produzenten von der Stanford Universität für einen Vortrag vor Studenten eingeladen und ... wieder ausgeladen (nicht wegen seiner Hardcore-Aktivitäten, sondern wegen seines leidenschaftlichen Engagements für Israel !!!)
LUCAS läßt seine Vorbesprechungen mit Laien-Darstellern, die sich (meist als Paar) bei ihm für eine Hardcore-Produktion casten lassen, filmen. Ich habe einige dieser "Auditions" gesehen. Meist liegt das schwule Paar auf dem Bett (bekleidet), Lucas sitzt auf einem Stuhl neben dem Bett und führt ein ausführliches Vorgespräch mit beiden: "Welche sexuellen Vorlieben habt ihr, was möchtet ihr gern vor der Kamera machen usw." Das Ergebnis sind sympathisch und begeistert agierende Darsteller, denen man(n) die Lust an der Aktion anmerkt. Und ... das ist es vielleicht, was Lucas-Filme so angenehm und sehenswert macht. Ich habe keine Ahnung, ob es so etwas auch im heterosexuellen Porno-Bereich gibt.
LUCAS betrachtet schwule Hardcore-Pornos als Teil des Showbusiness und will sie verstärkt im schwulen Mainstream etablieren. Meine Sympathie und Unterstützung hat er.
Hi Michael, I'm your fan and ... your passion is my passion too!
Knüppel
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