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Der Weg zu sich selbst
Ein Gespräch mit dem Hirnforscher Wolf Singer über Erfahrungen bei der Meditation und die Neurobiologie des Religiösen
http://www.zeit.de/2008/44/P-SingerEin Gespräch mit dem Hirnforscher Wolf Singer über Erfahrungen bei der Meditation und die Neurobiologie des Religiösen
http://www.zeit.de/2008/44/P-Singer
Jeder Glaube, ob religiös oder nicht, besteht in Vorstellungen, "an" die man glaubt und "sich hält". Allerdings stellen wir uns schon etwas vor, wenn wir nur "an" Erlebtes denken. Über Erinnern hinaus gehendes Denken besteht lediglich in Kombinationen oder Abwandlungen von Vorstellungen aller, auch akustischer Art. Spontan kommen solche visueller Art in nächtlichen oder Tagträumen vor oder in Form von Einfällen; absichtliche oder "bewusste" Formen solchen Kombinierens bestehen häufig eher in sprachlich geformten Gedanken wie Überlegungen und Reflexionen, Bewertungen und Einschätzungen, Folgerungen, Bedenken und Sorgen u.v.a., während kreative Menschen Vorstellungen aller Art kombinieren.
In dem Artikel klingt nur verhalten an, dass es in buddhistischen Meditationen um ganz anderes geht. Sie sind weder auf Wahrnehmungen noch auf Vorstellungen gerichtet und daher auch von Überzeugungssystemen aller Art ganz unabhängig, selbst von religiösen oder philosophischen Vorstellungen. Sie bestehen deswegen auch nicht in kontemplativer Besinnung oder Betrachtung, nicht in "veränderten Bewusstseinszuständen" oder außergewöhnlichen Erlebnissen. Vielmehr wird hier mit einer genau in der Mitte "zwischen" dem Bereich des Wahrnehmens und des Vorstellens gelagerten oder vermittelnden Fähigkeit gearbeitet, der einfachen Fähigkeit nämlich, sich aufmerksam einer Wahrnehmung oder Vorstellung zuzuwenden oder Einzelheiten davon.
Auf einen selbst bestimmten Objektbereich zu achten wird üblicherweise Konzentration genannt. Von daher stammt die gängige Meinung, meditieren bestehe darin, sich auf etwas zu konzentrieren. Gewöhnlich beherrscht eine erwachsene Mensch diese Fähigkeit bereits. Konzentrationsfähigkeit ist deswegen in einer systematischen Meditations- oder "Geistesschulung", wie unter Buddhisten auch gesagt wird, lediglich Grundlage für wesentlich weiter gehende Übungen.
Als erstes ist nämlich die Fähigkeit auszubilden, den "Geist zur Ruhe zu bringen", wie es traditionell heißt, obwohl damit eindeutig die Übung gemeint ist, seine Aufmerksamkeit sozusagen zum Stillstand zu bringen; denn es geht dabei schlicht darum, sich über eine längere Zeit einer Sache aufmerksam zuzuwenden.
In Meditationen "zur Beruhigung des eigenen Geistes" (Shamatha) sind erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. Sie stammen daher, dass hier der natürlichen Tendenz zur ständigen "Wanderung" seiner Aufmerksamkeit zwischen Wahrnehmungsobjekten aller Art und den verschiedenen Wahrnehmungs- oder Sinnesbereichen ebenso widerstanden werden muss wie der Gewohnheit, sich von spontan auftauchenden Gedanken "ablenken" oder sogar "fesseln" zu lassen. Als am technisch leichtesten hat sich dabei die "Meditation auf den eigenen Atem" (Anapanasati) erwiesen, ein Ausdruck, der ebenfalls nicht ohne weiteres erkennen lässt, dass man sich hier ununterbrochen aufmerksam der Wahrnehmung seines Atmens im Gesamten oder in irgendwelchen Details widmet.
Hochgradige Geistesruhe ist nun ihrerseits Vorbedingung für eine Meditationsform, die m.W. nur im Buddhismus gelehrt wird und von der sich Buddhisten die "Befreiung vom Leiden", "Höheres Wissen" und vieles anderes versprechen. Es handelt sich um die Achtsamkeits- oder Einsichtsmeditation (Vipassana).
Bei dieser kaum irgendwo genau vermittelten Meditationsform geht es psychologisch darum, einen geistig eigenartig "entspannten" Zustand weit offener Aufmerksamkeit zu entwickeln, eine Aufmerksamkeitseinstellung, die in Gegensatz zu mehr oder weniger anstrengender oder angestrengter Konzentration steht!
Achtsamkeitsmeditation besteht darin, potentiell alle seine - von Natur aus "immer schon" gleichzeitigen - Sinneswahrnehmungen einschließlich aller dabei auftauchenden und vorübergehenden Gedanken, Erinnerungen oder Einfällen vollkommen "bewusst" und hochachtsam zu registrieren. Bemerkenswerter Weise ist es möglich, eine derartige Haltung panoramaartig weit offener Aufmerksamkeit sogar im Alltagleben einzunehmen. Unbegrenzte Aufmerksamkeit dieser Art ist deswegen "Panoramabewusstheit" (Chögyam Trungpa) genannt und der mehr oder weniger begrenzten Konzentration als polarer Gegensatz gegenüber gestellt worden. Geläufiger als Panoramabewusstheit sind die Bezeichnungen Achtsamkeit und Gewahrsamkeit für die dauerhafte Aufrechterhaltung von Achtsamkeit.
Bei der Entwicklung von Achtsamkeit sind besonders starke natürliche Tendenzen und Gewohnheiten zu überwinden. Es gibt allerdings eine Reihe von Verfahren, die hiergegen eingesetzt werden können und in einem systematischen Achtsamkeits-Entwicklungstraining ein schrittweises und kontrollierbares Erreichen dieser weiten Achtsamkeitshaltung ermöglichen.
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http://www.augsburgwiki.de/index.php/AugsburgWiki/KittelIngo-WolfAlsMediziner
http://www.kirchenkritik.de/archiv/glauben_ohne_glauben.html
http://www.sprache-werner.info/index.php?
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