Sechs Jahre Grundschule schaden nicht

Überraschendes Ergebnis einer neuen Studie: Die sechsjährige Berliner Grundschule ist nicht schlechter als das Gymnasium. Bislang galt das Modell als gescheitertVon Thomas Kerstan

http://www.zeit.de/online/2008/17/grundschul-studie
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Leser-Kommentare

23.04.2008 um 06.51 Uhr
sewenz
1. Kausale Inferenz in der ELEMENT-Studie

Auch in diesem Thread zur Bildungspolitik mangelt es offensichtlich einigen KommentatorInnen an einem tieferen Verständnis für Kausalanalyse bzw. Kausalzusammenhänge. Ich hatte dazu schon einmal Grundlegendes gepostet, und zwar hier:http://kommentare.zeit.de/node/130362/119877#comment-119877Kausalanalyse gehört zum Kompliziertesten, was in den Sozialwissenschaften gemacht wird. (Deshalb ist es es auch ganz normal, dass sich in diesem Forum nicht nur Fachleute in Sachen Kausalanalyse treffen.) Ich versuche mit dem bescheidenen Mittel "Forumskommentar" etwas Licht auf die Sache zu werfen.Will man einen oder mehrere kausale Schlüsse, oder kausale Inferenz, ziehen, müssen die Probleme der Heterogenität (ungleiche Ausgangsbedingungen) und der Selbstselektion (ungleiche Wirkung des kausalen Faktors) gelöst werden. Nur die Selbstselektion wird im kausalanalytischen Sinne im ELEMENT-Bericht (Link in Beitrag # 16 von Johannes Kuhn) auch namentlich erwähnt (S. 24). Das ist gut so. Gelöst werden auf den fast 100 Seiten allerdings weder das Heterogenitätsproblem noch das Selbstselektionsproblem. Die Autoren räumen das richtigerweise auch ein (S. 25).Dennoch äußert sich Prof. Lehmann im Interview mit der ZEIT wie folgt zu den Annhamen der Berliner Schulpolitik: "Erstens: Leistungsstarke Schüler werden durch die Klassen fünf und sechs in ihrer Entwicklung nicht gebremst. Zweitens: Die zwei Extrajahre helfen, soziale Disparitäten abzubauen. Drittens: Der soziale Zusammenhalt in der Schülerschaft und der in Stadt wird gestärkt. Keine der Annahmen ist haltbar."Alle drei Annahmen sind Annhamen über kausale Effekte der späteren Trennung auf die drei Variablen "Entwicklung leistungsstarker Schüler", "soziale Disparitäten" und "sozialer Zusammenhalt der Schülerschaft".Fakt ist: Sollte Herr Lehmann im Interview ausschließlich von Ergebnissen sprechen, die auch dem Bericht zu entnehmen sein sollen, muss ich feststellen, dass seine oben zitierte Aussage vor allem eines ist: unhaltbar.

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