Empfehlen Social Bookmarks
Der betrogene Patient
Arzte wählen ihre Behandlungsmethoden oft nach Intuition und Erfahrung, selbst wenn sie unnütz sind und die Forscher eine ganz andere Therapie empfehlen.
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2007/04/Betrogener-Patient
Kategorien
Auf die Intuition meines langjährigen Hausarztes würde ich mich in der Tat verlassen (wenn er nicht aus Altersgründen seine Praxis aufgegeben hätte). Aber bei den jüngeren Haus- und Fachärzten führt die "Intuition" am ehesten zu einem gut gefüllten Geldbeutel (des Arztes...), und das ist der eigentliche Grund, warum ich Ärzten nicht mehr traue.
Abgesehen davon, daß Voltaren und Diclofenac das gleiche ist, vergißt die Leitlinienmedizin die Wünsche des Patienten.
Um beim Beispiel Rückenschmerzen zu bleiben: der Patient fordert sofortige Schmerzfreiheit oder -armut und sofortige Arbeitsfähigkeit und nicht erst nach 6 Wochen.
Die Leitlinien gehen eben oft an der Realität und an den Patientenwünschen vorbei und nicht jede Symptomatik und nicht jeder Patient läßt sich in eine Leitlinie pressen. Die Forderung ist ein Verzicht auf individuelle medizinische Versorgung, es ist ein weiterer Schritt zu einer industrialisierten Medizin am Fließband, wo der Mensch bzw. Patient gar nichts mehr zählt.
Nicht jeder Patient mit Magenproblemen benötigt eine Magenspiegelung, nicht jeder Patient mit Kniebeschwerden eine Arthroskopie und nicht jeder Patient mit Brustschmerz einen Herzkatheter.
Ich wünsche jedem Patienten einen Arzt, der nicht nur Leitlinien abarbeitet, sondern auch noch etwas klinischen Verstand und Erfahrung hat und über den Tellerrand seines Fachidiotismus hinausschauen kann.
Schade, dass Sie im ZeitWissen-Magazin Nr.4/2007 einen Leitartikel veröffentlichen, der so oberflächlich und pauschal be- und verurteilt, mutmaßt und kommentiert, dass die Nebenwirkung „Vertrauensverlust“ in die wissenschaftlichen Recherchen Ihres Magazins die Folge ist und hoffentlich nicht der pauschale Vertrauensverlust in die hiesige Ärzteschaft.
Die Ärzteschaft, also „Deutschlands Praxen und Kliniken“ in denen „oft alles andere getan wird, als nach wissenschaftlichen Kriterien zu therapieren“ so darzustellen, als wäre medizinisches Handeln unter wissenschaftlichen Erkenntnissen für die dort Tätigen ein Fremdwort, ist überheblich und geradezu lächerlich. Dass neben wissenschaftlichen Erkenntnissen ebenso Erfahrung und Intuition gefragt sind, steht für jeden Patienten und jeden guten Mediziner außer Frage.
Das Wissen aus pseudo-wissenschaftlichen Artikeln ersetzt mit Sicherheit kein Medizinstudium; hier scheint eher die „Allwissenheit“ ihres Autors auf medizinischem Gebiet erstaunlich.
„Alles für nutzlos" zu erklären, wie z.B. auf Seite 23 in Ihrem Artikel das Urteil zur Krebsfrüherkennung und Mammografie ist fahrlässig und in keinster Weise hilfreich für den Patienten; und es ist auf gar keinen Fall eine wissenschaftliche Feststellung.
Schade für Patienten, Ärzte und Leser dieses Artikels.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren