Braune Flecken an allen Straßenecken

Ein Chemnitzer Historiker sorgt mit einer Studie zu Schulnamen für viel Wirbel. Über 100 Schulen in Deutschland sollen noch nach NSDAP-Mitgliedern benannt sein.Von Christian Weiß

http://www.zeit.de/online/2009/07/schulnamen-mit-vergangenheit

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Leser-Kommentare

13.02.2009 um 16.23 Uhr
1. pauschalhinrichtung

es ist durchaus gerechtfertigt, die biografie jeder persoenlichkeit zu durchleuchten, die als gallionsfigur einer bildungsstaette dient oder dienen soll. das ist man alleine schon den kindern schuldig, denen man mit moeglichen schandflecken ihre spaeteren lebenslaeufe verunstaltet.

wer aber eine NS-zugehoerigkeit pauschal verurteilt, ist selbst nicht weit vom faschismus entfernt. manchen menschen war es nunmal nicht moeglich, sich waehrend der schwarzen 12 jahre in luft aufzuloesen und anschliessend bluetenrein wieder aufzutauchen. was bitte hat denn eine mitgliedschaft im NS-lehrerbund zu bedeuten? war das vielleicht die alternative zu arbeitslosigkeit oder gar inhaftierung? war das etwa schlimmer als aktive politische oder wissenschaftliche mitgestaltung im sozialismus? gibt es ein buch darueber, wieviele schulen noch immer die namen von persoenlichkeiten tragen, die tragende stuetzen der DDR waren, sich dadurch also nicht weniger schuldig gemacht haben, und denen man deshalb nicht weniger grossen respekt entgegenbringen sollte? wer wuerde bertolt brecht, hanns eisler oder anna seghers wegen ihrer SED-zugehoerigkeit oder -naehe pauschal verurteilen, wo sie doch so grosses fuer die kunst geleistet haben? gibt es noch manfred-von-ardenne-schulen, benannt nach einem wissenschaftler, der nicht nur unglaubliches in ferhsehtechnik und medizin, sondern auch beim bau der sowjetischen atombombe geleistet hat? oder wuerde es jemand wagen, erwin-strittmatter-schulen umzubenennen, weil er fuer die stasi gearbeitet hat - naja, und leider auch fuer die SS?

13.02.2009 um 17.08 Uhr
2. Einverstanden

"Im August 2008 bekam das Erich-Hoepner-Gymnasium in Berlin einen neuen Namen. Nach 52 Jahren distanzierte man sich auch dort erstmals von der Biografie des Wehrmachtsgenerals Hoepner. Der stellte sich zwar 1944 gegen Hitler, hatte jahrelang aber als Befehlshaber Angriffskriege mitgeführt."

Ich hoffe, dass auch alle Stauffenberg-Schulen von ihrem Namen befreit werden, da für ihn dasselbe wir für Hoepner gilt. Eine Günter-Grass-Schule darf es ebenfalls niemals geben. Die Schmidt-Universität in Hamburg sollte wegen der Wehrmachtsvergangenheit von Helmut Schmidt ebenfalls umbenannt werden. Die Stadt Wolfsburg ist dann hoffentlich auch irgendwann mal dran.
Wenn diese Säuberung abgeschlossen ist, können wir uns den vielen Schulen in meiner ostdeutschen Heimat widmen, die immer noch die Namen von Vetretern des DDR-Regimes tragen. Jeder, der jemals Mitglied der SED, der Jungen Pioniere oder FDJ war, sollte umgehend der Damnatio memoriae anfallen.
Wenn dann Deutschland von allen Spuren des Bösen gereinigt ist, sollten wir Geralf Gemser in Anerkennung seiner grandiosen Initiative das Bundesverdienstkreuz verleihen.

13.02.2009 um 17.56 Uhr
3. Als allererstes sollte der

Als allererstes sollte der Henry-Ford-Bau an der Freien Universität umbenannt werden (wie wäre es statt dessen mit Varian-Fry-Bau?)

Henry Ford war ein glühender Antisemit, der antisemitische Schriften wie "Der Ewige Jude" und die "Protokolle der Weisen aus Zion" herausgegeben hat, und zwar in einer Millionenauflage und weltweit. Allein in den USA vertrieb Ford zehn Millionen Stück des "Ewigen Juden", er ließ das Buch auf eigene Kosten ins Polnische, Rumänische, Tschechische, Serbokroatische, Ungarische, Griechische, Spanische, Portugiesische, Italienische, Holländische, Schwedische, Arabische und Deutsche übersetzen.

In den zwanziger Jahren hat Ford der jungen NSdAP Millionenspenden für Waffen gegeben, deshalb hing auch ein Portrait von ihm über Hitlers Schreibtisch in der Münchner Parteizentrale. Hitler bezeichnete Ford 1931 als "meine Inspiration".

Noch deutlicher war die Unterstützung während des Krieges: Ford-Autos rollten für die Wehrmacht, Ford bekam 1938 von den Nazis den "Adlerorden" verliehen (ein goldenes Kreuz mit vier kleinen Hakenkreuzen eingebettet in weißer Emaille an einer roten Schnur, dazu reiste der deutsche Botschafter eigens nach Detroit. Ein Jahr später schenkte Ford dem Führer 10.000 Reichsmark zum Geburtstag.

Nach dem Krieg stellte die US Army fest, dass Ford in Deutschland kriegswichtige Werke betrieb, die ein “Arsenal des Nazismus” waren, Ford hatte zudem Rohstoffe und Karossenteile aus den USA nach Deutschland importieren lassen. 1943 schloss Ford einen Vertrag mit der Wehrmacht, die Turbine für die V2 zu liefern (musste davon aber unter Druck der amerikanischen Armeeführung zurücktreten).

http://www.businessweek.c...

13.02.2009 um 18.34 Uhr
4. Vor der eigenen Türe kehren!

Der Chemnitzer Schullehrer hat recht, doch würde er noch viel reichere Beute machen, wenn er die noch in Ostdeutschland verbliebenen Straßen zählte, die nach kommunistischen und sowjetischen Helden benannt sind, darunter viele, die nicht einmal einen Fuß auf deutschen Boden setzten.

13.02.2009 um 18.49 Uhr
5. Lieber dunnhaupt,

die russischen und sowjetischen Helden haben aber kein Genozid an einer Nation betrieben.

13.02.2009 um 19.48 Uhr
th
6. na ja,

100 von über 33000 - das sind also "unglaubliche" ca. 3 Promille oder 0,3 Prozent!

Und der Autor schreibt "an allen Strassenecken"? Ist da die Perspektive verrutscht?

Mir gefallen Namen von Weltkriegs-II-Generälen an Schulen auch nicht. Aber die Diskussion sollte wirklich ohne diesen Saubermänner-Eifer geführt werden.

Übrigens, wer war 3 Jahre lang Staatoberhaupt eines Bundesstaates und anschliessend 23 Jahre lang des Gesamtstaates, welcher Hitler beim Start des II Weltkrieges unterstützte, und unter dessen Amtszeit noch vor dem Beginn des Krieges mehr als 6 Millionen Menschen starben ? Welche alte Stadt nennt sich heute noch nach ihm?

Richtig: Kalinin bzw. Kaliningrad. Das ist an und für sich nur ein russisches Problem - aber ist es dann moralisch, wenn wir diesen Namen ganz selbstverständlich verwenden? Womöglich noch eifrig, um unsere guten Absichten zu demonstrieren gegen böse verknöcherte Nationalisten und traurige alte Leute?

Sollten wir das als Saubermänner nicht abschaffen, genau wie die "Agnes-Miegel"-Schule?

Man sieht, wohin moralischer Rigorismus führt, wenn man ihn im Alltagsleben verwendet. Die militärischen Verschwörer des 20. Juli waren wohl alle keine lupenreinen Demokraten - sonst hätten sie schon lange vorher ihren Rang verloren, und kaum eine Chance gehabt, mit einer Bombe in Hitlers Nähe zu kommen.

Agnes Miegel hat wohl ein paar gute Gedichte geschrieben "... und die Düne kam und deckte sie zu", und sich dem Führerkult ergeben, wie damals so viele Leute, auch meine Eltern. Das ist nicht schön: aber von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Mitglied irgendeiner NS-Organisation zu sein, war in der Nazi-Zeit für viele unvermeidlich, die ihren Beruf nicht verlieren wollten.

Mit einem Wort: man muss auf den Einzelfall schauen.

Den Saubermännern aber empfehle ich, auch bei Hanns-Martin-Schleyer genauer hinzusehen!

Also: 0,3 Promille - wenn man alle Unterorganisationen und "nationalistische Heimatbücher aus dem NS-Lehrerbund" mitzählt: das ist ja gar nicht so schlecht!

13.02.2009 um 19.49 Uhr
7. Lieber samskij11, Sie sind mir schon ein

„die russischen und sowjetischen Helden haben aber kein Genozid an einer Nation betrieben.“

Hatten Sie Geschichtsunterricht in der ehemaligen UdSSR???

Stalin trieb ab 1928 die Zwangskollektivierung Landwirtschaft unnachgiebig voran. Dabei brach er rücksichtslos den Widerstand der wohlhabenderen Bauern, die er als „Kulaken“ diffamierte. Folge, aber auch durchaus erwünschtes Hilfsmittel der Kollektivierung war eine riesige Hungersnot im ganzen Land, die besonders fürchterliche Ausmaße an der Wolga und in der Ukraine annahm. Sie kostete mehrere Millionen Menschen das Leben, jedoch sind genaue Opferzahlen nicht bekannt.

Quelle WIKIPEDIA (eigentlich aber auch Allgemeinwissen)

Dabei unterstützt von Menschen, die heute noch mit ihren Namen die Portale von Gebäuden oder Strassen schmücken.

Als was bezeichnen Sie denn das?
Geschichtsunfall??

Und über das NKWD später KGB und ähnliche Taten Ihrer „russischen und sowjetischen Helden“ sollte man - glaube ich – auch gar nicht erst reden...

13.02.2009 um 19.53 Uhr
th
8. und welche von diesen Helden

waren eigentlich 1939 gegen Polen dabei? Natürlich hätte Hitler den Krieg auch alleine angefangen - aber Stalin hat ihm den Rücken freigehalten, Schmiere gestanden, wichtige Rohstoffe geliefert, und dafür brüderlich die Beute geteilt - und mußte später nichts davon wieder herausgeben.

13.02.2009 um 20.10 Uhr
9. #8 Ich weiß zwar nicht, warum Sie das je

aber um mal ein paar Heldennamen der polnischen Ostokkupation zu nennen:

Molotow, Schaposchnikow, Woroschilow, Kriwoschein

Deren "Held der Sowjetunion", "Rotbanner- und Leninorden" an der Brust waren ja kaum zu zählen ….

Kriwoschein gratulierte übrigens im Namen der sowjetischen Führung den Deutschen zu ihren Kriegserfolgen...

und bot ihnen beim Sieg uber UK sogar eine Parade auf dem Roten Platz an...

Thats History....

Helden , von denen samskij 11 so gern spricht...

13.02.2009 um 20.18 Uhr
th
10. ich habe _Sie_ gar nichts gefragt:

hier geht es um eine öffentliche Debatte, und nicht um einen Dialog. Also habe ich einfach Ihren Faden aufgenommen und weitergesponnen. Nix für ungut, bitte!

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