Der Ruf steht auf dem Spiel
Chinas staatliche Medien berichten erstmals in vollem Ausmaß über eine Katastrophe im eigenen Land. Und sie beschönigen dabei nichts.Von Kristine Kupfer
http://www.zeit.de/online/2008/20/china-erdbeben-politik-medienNeueste Kommentare
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Leser-Kommentare
eine positiver Wende der chinesischen Medien. Es ist viel einfacher, die Wahrheit zu sagen als zu verbergen.
Laut Aussage der Augenzeugen und Beamten der Stadt Tangshan, wo vor 32 Jahren das schlimste Erdbeben geschah, starben mindestens 2/3 der Einwohner beim Erdbeben. Die Stadt hatte 1,08 Millionen Einwohner, also 720.000 Opfer statt die amtliche Zahl von 240.000.
Es muss sich so langsam auf der Welt die Einsicht durchsetzen, dass es für ein Land keine Schande ist, einer großen Naturkatastrophe nicht gewachsen zu sein und dass man sich nicht blamiert, wenn man internationale Hilfe in solchen Fällen in Anspruch nimmt. Zumindest dem Wortlaut nach scheint auch in China diese Einsicht bei den politisch Verantwortlichen angekommen zu sein, bei der Junta in Birma wohl noch nicht ganz; diese 'feinen' Herren Generäle in Myamar sind anscheinend aus purer Angst vor einem ,wie auch immer gelagerten, potenziellen Machtverlust immer noch z.T. der Meinung, es sei besser, das eigene Volk im Dreck verrecken zu lassen. Wenn selbst die 'Schutzmacht' der Uniformierten in Birma angesichts einer unvorstellbaren Katastrophe Hilfe anderer Staaten annimmt, sieht es so aus, als ob es einsam um die Generäle in Myamar wird. Sehr einsam; und es bleibt zu hoffen, dass diese Herrschaften zügig zwecks Aburteilung zum Internationalen Strafgerichtshof nach Den Haag überstellt werden.
China hat sich, bei aller Kritik, schon sehr geoeffnet - verschweigen koennen die grossen Regierungsagenturen ja auch gar nichts mehr. Kleinere chinesische Zeitungen und chinesche Blogger stellen schon seit langem das "Wahrheitsmonopol" der KP in Frage, und das meist bei Themen die die KP schon ideologisch nicht verschweigen kann, wie etwa wachsende Einkommensunterschiede, soziale Ungerechtigkeit, Umweltverschmutzung oder Arbeiterrechte.D.h. man oeffnet sich weil man keine Wahl mehr hat (eben weil man medial einen gewissen Entwicklungsstand erreicht hat und jeder Chinese hat Internetzugang und ein Handy mit Kamera) , nicht weil man es aus freien Stuecken will. In Burma wirde derweil, wenn man die neuesten Berichte liest, abgeschottet:Ein BBC Journalist wurde als Landesverraeter in Burma gesucht nur weil er ueber das Elend berichten wollte, aehnliche Berichte gibt es heute auch in deutschen Medien.Es ist ein Graus und jeder sieht zu, unter anderem aus Angst China zu vergraulen, die ja selbst gar nicht mehr historisch zurueckgehen koennen (medial, wirtschaftlich, politisch): wenn die Zahnpasta einmal draussen ist, kann man sich nicht so einfach wieder reinstecken.
es ist eine Schande Katastrophe zu politisieren!es geht vor allem das Leben in China und Burma zu retten, alles andere kann man später ewig lang diskutieren. momentan bringt überhaupt nichts.
denn wie die Autorin selber schreibt "[..] Aus Sicherheitsgründen könne man jedoch bis dato keine Helfer aus dem Ausland in der Unglücksregion lassen, ließ das Ministerium für zivile Angelegenheiten wissen. [...]"
Daher: Wie üblich weiß NIEMAND, ob die Angaben der Chinesen stimmen, und es kann sie auch keiner überprüfen. Sicher ist aber, das Berichte über mögliche Baumängel zensiert werden; also beschönigt China doch etwas.
Es ist letztendlich alles nur ein weiterer Beleg dafür, dass sich NICHTS zum Besseren gewandelt hat in China. Hier ist China allerdings mal das Opfer, was dem Regime nicht völlig ungelegen sein dürfte.
Es ist anhofmann offensichtlich völlig entgangen, dass ehr wohl Helfer aus dem Ausland in der Unglücksregion zugange sind: aus Korea, Japan kamen die ersten. Man sollte nicht immer alles nur daran messen, was aus dem eigenen Land kommt, auch unsere Hilfe erscheint mir manchmal im Ausmaß überbewertet: so wird bei uns zwar gemeldet, dass Deutschland eine halbe Million Euro, die USA eine halbe Million Dollar als Hilfe bereit stellen - aber dass aus Saudi-Arabien das Hundertfache kommt (50 Millionen Dollar in bar und zehn Millionen in Hilfsmaterial, vgl. http://www.china-embassy....) ist unserer Presse keine Meldung wert. Wenn aber bei uns so selektiv berichtet wird, warum legen Sie dann in China gleich noch höhere Maßstäbe an?Und mit der Überprüfung der Zahl der Toten ist das bei der Schwere und den Ausmaßen des Bebens auch nicht so einfach - zur Erdbebenstärke vgl. meinen Kommentar zum Zeit-Artikel "Dujiangyan, Venedig des Ostens" http://kommentare.zeit.de... [Dieser Teil musste leider gekürzt werden. Bitte beachten Sie, dass die Verkehrssprachen dieses Forums Deutsch und Englisch sind./ Die Redaktion; ew]
China hat selbst mitgeteil, dass keine Ausländer die betroffen Gebiete betreten dürfen. Das Zitat übergehen sie einfach.
Zudem geht es NICHT darum welches Land nun wieviel Hilfe leistet. Der Einsatz des deutschen Technischen Hilfswerkes kostet auch ein paar Milionen, den Sie übrigens ausgelassen haben. Zudem finde ich es befremdlich sich auch noch über unbürokratisch bereitgestellte Hilfe zu beschweren und eine Rangliste zu erstellen. Das geht ganz und gar an der Sache vorbei.
Völlig Korrekt!!!
Wie wollen Sie Hilfe unpolitisch sehen wenn etwa in Burma alle Hilfsgueter von der Militaerjunta uebernommen werden, es keinerlei Kontrollen gibt und Hilfe nicht mal erlaubt wird?In China ist die Situation anders: die Chinesen selbst haben ueber soviel Kommunikationsmittel (Kameras, Handys, Web), dass man wie gesagt gar nichts mehr verschweigen kann - ausser natuerlich ueber Verantwortlichkeiten, etwa die Schludrigkeit der Bautechnik, Korruption bei der Konstruktion etc. Ich habe hier viel Erfahrung weil ich selbst lange in der Bauindustrie gearbeitet habe und die Verhaeltnisse in China gut kenne. Vom Menschlichen her musss ich Ihnen zustimmen, bei Katastrophen geht es um Menschen, und wir sind allen gleich verbunden. Aber - wie in Burma - kann man gar nicht helfen ohne sich am politischen Kontext zu stossen. Ein guter freund von mir hat mehrere zehntausend Dollar fuer Burma gesammelt und es ist gar nicht so einfach das Geld ueber gut-verbundene NPO's nach Burma zu schuggeln, sodass die Hilfe wirklich die Notleidenden erreicht und nicht den Juntaverbrechern in die Haende faellt.Hier muss man mit offenen Augen helfen. MfG!
Meine Frau war am Tag des Erdbebens und danach in Chengdu, und sie erfuhr sehr wohl, dass sofort ein, tags darauf ein zweites japanisches Hilfe-Team und schließlich noch ein russisches in der Provinz im Einsatz waren. Wenn die chinesische Regierung bei uns anders zitiert wird, sagt mir das wieder etwas über die Zuverlässigkeit der Zitate aus. Vielleicht fehlte auch nur der Kontext, denn inerhalb kürzester Zeit waren so viele chinesische Hilfsmannschaften im Katastrophengebiet, dass weitere ausländische Teams wenig sinnvoll erschienen.Solche Dinge habe ich aus China erfahren.Und die Berichte von Korrespondenten aus Beichuan, aus den bergen usw. sprechen auch nicht dafür, dass keine Ausländer ins Gebiet dürfen. Ich finde, hier werden Worte verdreht.