Shanghai ist hip

Sibylle Berg reist nach China und sieht hässliche Städte, Menschen, denen alles egal ist, und Geschäftsleute der übelsten Sorte

http://www.zeit.de/online/2007/41/sibylle-berg-china
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Leser-Kommentare
  1. 1. ich musste lachen..! :)

    amüsanter text! ich war während einer sechs-monatigen südost- und ostasienreise selber in shanghai. (bin aber mit höchster wahrscheinlichkeit nicht aus ihrer generation.) die vorfreude auf den besuch war natürlich gross. das 'paris vom osten' oder 'das chinesische new york' oder wie das auch immer genennt wird bzw. genannt wurde. den smog durfte ich auch bewundern (die vollen fünf tage lang). echt ne super stadt. der ausgang abends war zwar immer amüsant.. als wir aber auf dem höchsten gebäude waren (namen vergessen), konnten wir kaum was sehen ("nebel"). in die u-bahn geht man lieber mit ganzkörperprotektionsanzug oder was ähnliches. immer wenn die tür aufging, wurde freudig mit den ellbögen rumgehackt. mein kumpel und ich konntens nicht glauben (die vollen fünf tage nicht). das alte "zentrum" ist keins und das neue entsteht grad und ist noch keins.
    eine wirklich interessante stadt.. aber hip oder auch nur annähernd was in diese richtung ist sie sicher nicht!

  2. 2. Typisch Deutsch

    Erstaunlicherweise habe ich viele Deutsche, die nur kurz in Chinas Großstädten unterwegs waren, so reden hören: Alles dreckig, alles Smog, die Leute unzivilisiert usw. Es wäre interessant zu erfahren, wie sehr sich die Autorin vorbereitet hat, ob sie chinesisch spricht, und ob sie die Kultur in Ostasien versteht. Denn das ist der Schlüssel dazu, China, genauso wie auch seine ostasiatischen Nachbarn, nicht durch die deutsche Brille zu sehen.

    Was Falun Gong angeht, finde ich die Anmerkung, daß man in Deutschland so wenig über die Leiden der Anhänger erfährt, befremdlich. In China erfährt man erstmal überhaupt nichts, da die Medien dort kontrolliert sind. Und hier in Deutschland kann man in jedem Asiashop "Da Ji Yuan", die offizielle Propagandazeitung von Falun Gong (anders kann man das nicht bezeichnen) mitnehmen. Auch habe ich sowohl in Leipzig als auch in München regelmäßig Falun Gong-Anhänger politische Aufklärungsarbeit auf großen Plätzen leisten sehen, mit Postern, aufrüttelnden Photos und Verkleidungen. Also allem, was dazu gehört. Verwunderlich, daß das alles an der Autorin vorbeigegangen ist. Auch die "Zeit" schreibt ab und an über Falun Gong, ebenso über die Menschenrechtssituation in China allgemein. Das Problem ist vielleicht, daß man, ohne das Problem jetzt herabwürdigen zu wollen, den Mitgliedern von Falun Gong auch nicht alles glauben kann, was sie sagen. Die machen eben durch solche Falun-Gong-nahen Zeitungen auch ihre Antipropaganda, gegen die chinesische Regierung. Ich würde mich jedenfalls über gut recherchierte Artikel über die wirkliche Situation von Falun Gong in China freuen, vielleicht sogar ab und an vom von mir sehr geschätzten Chinakenner Georg Blume.

  3. 3. Wer macht China dreckig?

    Sehr geehrte Frau Berg,

    es ist recht leicht mit dem Finger auf die Chinesen zu zeigen, weil sie so viel Gift ausstoßen. Aber ist es nicht ein wenig selbstgerecht, dabei zu verschweigen, wer zu einem gehörigen Maß dazu beiträgt?

    Sind es nicht etwa die westlichen Industrieländer, also auch wir, die Produkte kaufen, weil sie so schön billig sind, ohne uns im entferntesten darum zu kümmern, unter welchen sozialen und umweltverpestenden Umständen sie produziert werden?

    Und würde dieser Blickwinkel nicht auch dazu gehören, wenn man sich so ein bisschen über "die Chinesen, denen alles egal ist" mokiert? Sind es nicht auch genauso und ganz besonders wir, denen es vollkommen egal ist, solange es nicht vor unserer Haustüre stinkt?

    Beste Grüße

    Heiner Tettenborn

  4. 4. Mehr Butter bei die Fisch, bitte

    Den schmutz-verschlossenen Himmel über Peking und (besonders) Kanton habe ich schon 1992 festgestellt. Das ist also nichts neues.

    Das gleiche gilt für das Straßenleben (wozu nicht nur der Verkehr gehört). Schon 1992 schrieb ich auf die meisten Postkarten: "Ein Menschenleben zählt hier nicht viel." Es ist demnach nicht in erster Linie der Kapitalismus ohne menschliches Anlitz sondern eine Frage der allgemeinen chinesischen Mentalität, wie die Leute miteinander umgehen.

    Aus eigener Erfahrung kann ich hinzufügen, dass auch das Leben eines Touristen nicht mehr zählt (das hat mir "die Chinesen" schon fast wieder sympathisch gemacht). In China herrscht ein anderes Menschenbild als in unseren Gefilden.

    Was die Falun Gong betrifft: Die hat mehr "Praktizierende" als die KP Mitglieder und eine erstaunlich gute Mobilisierungsfähigkeit. Es handelt sich wohl um die größte politisch-religiöse Bewegung, die vorgibt, weder Religion und erst recht nicht politisch zu sein. Dieser Widerspruch gibt genügend Anlass, dieser Organisation (die angeblich nur eine lockere ist) zu misstrauen. Freilich rechtfertigt das nach unseren Maßstäben nicht einmal das Außmaß der Verfolgung, das belegt ist. Aber als Informationsquelle mit obektivem Anspruch eignet sich der angegebene Link nicht.

  5. 5. China von aussen ?

    Wenn man drei Jahre in einer chinesischen Metropole (7 Millionen Menschen), abseits von Peking, Shanghai oder Guangzhou gelebt hat, erscheinen die Beobachtungen von Sybille Berg recht oberflaechlich. Sie geben eher einen Einblick in die Erwartungshaltung und persoenliche Geschichte der Autorin, als dass sie etwas ueber das Leben in China vermitteln. Von der Beschreibung des offensichtlichen wie der Luftverschmutzung abgesehen wuerde ein Chinese sein Land in diesem Artikel kaum wiedererkennen.
    Berichte von Touristenerlebnissen gibt es an vielen Stellen im Internet, von der ZEIT darf man mehr erwarten.

  6. 6. Jeder kennt China

    In letzter Zeit liest man immer wieder schöne kurze Kommentare über China aus den verschiedensten Anlässen. Und fast jedesmal sind es abgedroschene Klischees die immer wiedergekäut werden. Ich denke das die Autorin hier schlicht und ergreifend überhaupt keine Ahnung hat wovon sie da schreibt.

    Ein Kurzurlaub nach China kann man nicht vergleichen mit irgendeinem Ausflug nach Amerika, Europa oder sogar Südamerika wo europäische Kultur sich etabliert hat.

    Aber jeder der mal 14 Tage durch Shanghai gelaufen ist kann auf einmal ein Land wie China beurteilen. Man kennt die Sprache nicht, man kann sich mit niemand unterhalten, man kann wahrscheinlich noch nicht mal den Stadtplan lesen . Aber sich vorstellen wie schlimm China die Umwelt verschmutzt. Das kann man auf einmal.

    Wer ernsthaft behauptet das Chinesen alles egal sein der hat noch nicht Aufnahme in eine chinesische Familie genoßen, der hat noch nie eine Einladung zum Essen mit der ganzen Familie gehabt. Derjenige hat hat einfach noch keine Chinesen kennengelernt. Und derjenige sollte sich zurückhalten mit Urteilen über Dinge über die er oder sie keine Ahnung hat.

  7. 7. leben mit chinesinnen

    Mein Leben hat eine gute Prise China im Moment und vor diesem Hintergrund muss ich zustimmen, dass Sibylle Berg's Portraet von Shanghai und seinen Menschen reichlich oberflaechlich ausfaellt. Meine Mitbewohnerin ist Chinesin und meine Mit-Doktorandin, mit der ich im Moment mein Buero teile, kommt aus Shanghai. Wie mit jedem anderen Volk gibt es 'den Chinesen' nicht wirklich. Wohl aber jede Menge Vorurteile. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich noch nie soviel ueber meine eigene (westliche) Kultur gelernt habe, wie in Diskussionen mit meiner Mitbewohnerin: Wie demokratisch sind wir wirklich? Wer schreibt unsere Geschichtsbuecher und zensiert unsere Nachrichten? Was bedeutet Nationalitaet? Wie gut ist Kapitalismus wirklich? Und wenn seine Staerken nicht mehr dem Westen sondern China profitieren, kann der Westen einfach so die Regeln aendern? Ist Ihnen mal aufgefallen, dass JEDE Reportage ueber China negativ ist? Auf jeden Fall lassen die australischen Medien kein gutes Haar an ihrem wachsenden Nachbarn. Die chinesisch-westlichen Beziehungen sind hochkomplex und faszinierend und verdienen eine tiefere Analyse und Diskussion als die von Sibylle Berg.

  8. 8. ich musste auch lachen...! ;)

    Es ist mir wirklich eine schlechte Erfahrung, als Chinese den Artikel von Frau Sibylle Berg zu lesen. Durch Google habe ich erfahren, dass ein Buch von der Autorin namens "Ein paar leute suchen das Glück und lachen sich tot" sogar ins Chinesisch übersetzt und 2003 veröffentlicht wurde.

    Über Falungong-Sekte würde ich nicht viel sprechen. Ich habe deren Zeitung auch gelesen und Website besucht. Ob und wie deren Anhänger vom Staat verfolgt und gequält werden, kann ich nicht feststellen. Was ich feststellen kann, sind die meisten Informationen auf der Zeitung und Website von Falungong total lächerlich, Quatsch und Lüge. Alle Leute, die China wirklich gut kennen (ein kurzzeitiger touristischer Besuch bedeutet nicht Chinakennen) und objektive Meinungen haben, würden sie nicht glauben.

    Die Luftverschmutzung in China ist wirklich schlimm, das ist ja die Tatsache. Die Regierung hat es schon bemerkt und legt jetzt großen Wert darauf. Das dauert aber schon Zeit. Vor 30 oder 50 Jahren war es in Deutschland auch nicht so schön wie heute, nicht?

    Ich glaube, man sollte tolerant sein zu anderen Ländern, Menschen und Kulturen. Kritisieren ist sehr einfach, aber mit kritischen Augen kriegt man nur Kritik zurück, aber keine Freude. Was die Chinesen nicht verstehen können, sind fast alle Artikels über China in westlichen Medien nur negativ. Wenn jemand was Gutes über China schreibt, dann denkt man "nein, falsch, das ist Lüge, das ist Propaganda von KPCh". Just because sein Herrscher KPCh ist, muß China die Erbsünde tragen, ist es wirklich so? Ich war auch in Deutschland, ein sehr schönes und beeindruckendes Land, Landschaft, nette Leute, Bier etc. Aber in diesem Land wurde eine Freundin von mir von einigen Neonazis in Potsdam grundlos geschimpft und gedroht; ein Freund wurde aber nachts in der U-Bahnstation in einer anderen Stadt mit Dolch geraubt. Können wir deswegen behaupten, dass Deutschland ein Naziland und ausländerfeindliches Land ist? Ein vernünftiger Mensch wird nicht so denken.

    Bezüglich der Verkehrsunfälle hat es mich wirklich überrascht, dass Frau Berg in so kurzer Zeit so viele Unfälle gesehen hat. Für mein bisher knapp 30jähriges Leben in China habe ich noch nicht so viele Unfälle gesehen. :) Aber auf der Straße in China ist manchmal wirklich kaotisch, das muß ich auch zustimmen.

  9. 9. habe 5 JAhre in Shanghai

    habe 5 JAhre in Shanghai gelebt und ich bezweifle, dass FRau Berg ueberhaupt mal dort war. Wahrscheinlich kaut sie negative Erfahrungen von anderen wieder und gibt diese dann komprimiert zur Feder. Ein Armutszeunis fuer Die ZEIT

  10. 10. unmenschlich?

    Ich kann nicht behaupten, China wirklich zu kennen. Aber die Darstellung der Chinesen in diesem Artikel ist so oberflächlich und fern der Realität, dass es bald weh tut. Ja,der Verkehr ist in wahrscheinlich jeder Großstadt Chinas aus unserer Sicht das absolute Chaos. Der Versuch die Straße zu überqueren in den ersten Tagen ein großes Problem. So weit so gut. Wahrscheinlich habe ich mich in meinen ersten zwei Wochen hier nicht minder europäisch angestellt.
    Doch die Persönlichkeit eines Chinesen durch sein Verhalten im Verkehr beurteilen zu wollen,ist absolut lächerlich!
    Ich unterrichte nun seit knapp einem halben Jahr hier und habe herzensgute Menschen kennengelernt. Menschen, die wirklich um mich besorgt sind, denen ihre Freunde über alles gehen und die sogar ihre alten Batterien nicht in den Normalmüll werfen (kaum zu glauben,oder?!).
    Um China wirklich kennenzulernen (in zwei Wochen ganz sicher nicht möglich) muss man sich schon hineinwagen und nicht nur die Gebäude von Shanghai beurteilen...

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