Viel Sehnsucht, viel Angst

Warum selbst die Wähler von FDP und Union mehr Gleichheit, mehr Staat und mehr Sicherheit wünschen. Eine ZEIT-Umfrage, analysiert

http://www.zeit.de/2007/33/Links-ZEIT-Umfrage
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Leser-Kommentare

09.08.2007 um 16.10 Uhr
1. Ein Argument

Da heißt es doch immer in die Richtung, Linke sind ewig Gestrige, wollen zurück zu diesem und jenem.
Aber der Ostblock brach zusammen und weltweit erlebte der Kapitalismus eine Renaissance. Das alte System kam wieder über die ehemals, nun ja, offiziell "sozialistischen" Länder.
Wer sprach hier davon, daß das Überholte und Gestrige wieder kam?
Natürlich versuchen Bürgerliche und Konservative die Sache
so zu drehen, daß die neuen Linken in dieser Schublade landen. Fakt ist, das die Linke viele Vorschläge übernommen hat, die in anderen westlichen Ländern Praxis sind oder z.B. vor Privatisiserungsvorhaben warnen, die anderswo in die Hose gingen (Bahn in GB).

Was ist reaktionäres Denken und Handeln wirklich in unseren Tagen, was ist progressiv? Diese Frage neu gestellt, ohne alte Voreingenommenheiten, fördert bestimmt andere Antworten zu Tage, als in der Vergangenheit.

Ansonsten Dank an die ZEIT, daß sie uns das Phänomen der Bewegung des politischen Bewußtseins und in der Parteienlandschaft näher bringt.

MfG

09.08.2007 um 16.38 Uhr
2. Viel Sehnsucht, viel Angst

Bedeutet das Ergebnis dieser Umfrage, dass sich unsere Regierung am Besten ein neues Volk suchen sollte??
Wenn man doch nur hoffen dürfte, dass das auch von den Politikern gelesen wird und dort in den grauen Zellen etwas in Richtung Selbstkritik in Bewegung brächte. Wenn offizielle Politik und die Meinung der Untertanen so weit auseinander liegen und diesem Umstand, wie in der Überschrift angedeutet, Angste zugrunde liegen, dann ist diese Regierung auf einem verhängnisvollen Weg. Bei aller gebotenen Vorsicht, mit der solche Umfragen gesehen werden sollten, ist hier ein Trend erkennbar, den die Politiker nicht in irgendeine linke Ecke stellen sollten, sondern weit mehr, als das jetzt der Fall ist, das Ohr am Volke zu haben.
Man wird ja noch wünschen dürfen??
Wendelstein
PS. kann mir jemand mit mehr Erfahrung in diesem Metier der Kommentare bitte erklären, wie man diese Bewertungssternchen zun erröten bringt? Danke

09.08.2007 um 16.44 Uhr
3. Ich nicht

"Warum selbst die Wähler von FDP und Union mehr Gleichheit, mehr Staat und mehr Sicherheit wünschen"

Ich ganz bestimmt nicht! Ich wünsche mir eher weniger Staat, und würde dafür auch weniger Gleichheit und weniger Sicherheit in Kauf nehmen.

09.08.2007 um 17.35 Uhr
4. Deutschland ist nicht allein

Offenbar ist Deutschland nicht das einzige Land, wo über einen "Linksruck" geredet wird. Siehe den Titel der morgigen Ausgabe des britischen "Economist":

Is America turning left?

09.08.2007 um 18.44 Uhr
andrku
5. Sternchen

@Wendelstein:
"kann mir jemand mit mehr Erfahrung in diesem Metier der Kommentare bitte erklären, wie man diese Bewertungssternchen zun erröten bringt? Danke"

Es sind unten zwei Balken mit Sternchen (roten übrigens, passend zum Thema *g*). Im linken Balken wird die Durchschnittsbewertung angezeigt, im rechten kann man selbst bewerten. Man klickt einfach mit der Maus auf die Anzahl Sterne die man geben will.

Will man einem Beitrag also 5 Sterne (=sehr gut) geben, klickt man auf den ganz rechten Stern, im rechten Balken.
Automatisch wird der Durchschnitt neu berechnet und im linken Balken angezeigt.

Dies alles funktioniert natürlich nur, wenn man nicht einen uralten Browser verwendet. Also mein Firefox funktioniert tadellos, notfalls kann man den kostenlos hier runterladen:
http://www.mozilla-europe...

MfG
AKu

09.08.2007 um 18.58 Uhr
andrku
6. Na dann..n

@winterhart

Dann scheinst du stattdessen dicke private Sicherheiten zu haben und/oder wähnst dich auf der Überholspur, gelle? Sonst würdest du wohl kaum so denken. Ich persönlich kann nicht viele staatliche Sicherheiten erkennen, die noch übriggeblieben wären. Immerhin sorgt H4 gerade noch dafür, dass man nicht unter der Brücke schlafen muss, wenn man sein sonstiges Eigentum schon verscherbeln musste. Das ist dir aber offenbar noch viel zu viel "soziales Rundumpaket".

Aber ach ja, ich vergaß, für Leute wie dich ist Erfolg natürlich lediglich Frucht ihrer harten Arbeit und ihrer überragenden Intelligenz. Allen denen es schlechter geht, müssen im Umkehrschluß also dümmer und fauler sein und haben damit ihr Schicksal durchaus verdient, nicht wahr?,
Hab ich ins schwarze getroffen?

Aku

09.08.2007 um 19.31 Uhr
andrku
7. Logische Schlußfolgerung

Für mich erschliesst sich aus der Studie vor allem eines: wenn Linke und Rechte dasselbe denken, dann ist das Thema offensichtlich nicht ideologisch "links", sondern der Bevölkerung einfach ein Bedürfnis.

Der Hinweis auf die Wahlen ist witzig, wie immer. Jetzt hoffen wir also in unserer großartigen "Demokratie" darauf, dass unsere Vormunde das Thema artig aufgreifen und unsere widersprüchlichen Wünsche befriedigen.

Da sie das, zB. bei der Rente, aber nicht ohne weiteres können, da einfach das Geld dafür fehlt, werden sie wieder lügen, bis sich die Balken biegen. Nach der nächsten Wahl wissen sie dann, ebenfalls wie immer, nichts mehr davon oder sprechen von Sachzwängen. So funktioniert Demokratie aber nicht, sondern nur dieses kranke Parteien-Wahldiktatur-System.

Die Bürger sollen nicht nur Wünsche äußern, sondern auch die Alternativen abwägen lernen und dann die Chance haben, sich mehrheitlich für eine davon zu entscheiden. Das dürfen sie derzeit aber nicht, an dieser Stelle ist der Staat als Vormund tatsächlich lästig. Repräsentativ sind unsere Regierungen doch nicht mal im Ansatz, Anwälte und Lehrer, dass ich nicht lache.

Ich kann nur für mich sprechen, aber ich wünsche mir nicht MEHR autoritären Staat, der mich erzieht und gängelt, sondern MEHR Demokratie. Ein Gemeinwesen in dem man füreinander eine gewisse Verantwortung trägt und sich auch mal gegen angeblich absolut zwingende Entwicklungen stemmt. Zum Beispiel gegen das ein oder ander Freihandelsabkommen oder gegen den einen oder anderen Krieg.

In diesem Sinne: pro Volksentscheid und Bürgerbegehren
pro www.mehr-demokratie.de

MfG
AKu

09.08.2007 um 21.50 Uhr
8. Gleichheit ist doch nur öde. Oder?

Es hatte Schiller in seinem Gedicht einmal geschrieben: „Alle Menschen werden Brüder“, (hilfe, lieber nicht nachgrübeln!) aber ich meine freundlicher, mit einem lächeln im Gesicht ist vielleicht doch sinnvoller. Nein, Gleichheit in der Hand von Parteien kanns nicht sein. Das hatten wir schon, außerdem wenn jeder dieselbe Vermutung hat, haben wir uns irgendwann nichts mehr zu sagen. (Oder zu schreiben, denn ich liebe den Krieg per email, sms usw.) Sicherheit brauche ich von Staatswegen ganz bestimmt nicht. Da hör ich mir das Märchen von den 4 Bremer Stadtmusikaten an. Den die wußten damals schon sehr gut, wie man mit Betrügern umgeht. Im übrigen bin ich immer selber schuld, wenn ich vom Rauchen krank werde, am Jahresende pleite bin, und die Lufthülle durch irgendwelche sinnlose Autofahrten immer dünner wird.

09.08.2007 um 23.31 Uhr
9. Klassengesellschaft ist auch öde

Wenn immer propagiert wird: Leistungsgesellschaft, dann sollte es auch irgendwo stimmen. Die Elite und der Geldadel brauchen doch überhaupt nichts mehr leisten, denn die Zinsen kommen auch so.

Mittellose Menschen haben mit viel schwierigen Problemen zu kämpfen als vor 30 Jahren, als sogar ein Taxifahrer zum Minister werden konnte. Es fehlt die Durchlässigkeit der Schichten, das demotiviert! Heute hat ein arbeitsloser Akademiker (auch Ingenieure) über 40 meistens nur noch die "Chance" über Zeitarbeit für 6 bis 8 Euro brutto zu arbeiten.

10.08.2007 um 08.47 Uhr
10. Lieber Herr Lau,

Sie haben Recht damit, dass der sogenannte "Linksruck" eher konservativen Charakter hat. Ich sehe darin insofern einen Sieg des gesunden Menschenverstandes, als die nunmehr seit 20 Jahren andauernde Dauerwerbekampagne der Neoliberalen Revolutionäre (ohne Anführungszeichen!), die zuletzt zu einer Gleichschaltung der Medien sondergleichen geführt hat, die Akzeptanz der sogenannten "Reformen" (Anführungszeichen!) bei den Menschen offenbar doch nicht fördern konnte.

Was Sie desweiteren zu den Motiven für die Ablehnung der "Reformen" sagen, ist leider nur die alte westerwellehundtinsmspiegelfocuschristiansenzdfbertelsmannstiftungsche Leier. Es ruft niemand nach einem "Rundum-sorglos-Paket"! Die Menschen verlangen lediglich, nicht weiterhin global agierenden Investmentfonds zum Fraß vorgeworfen zu werden. Sie sehen den Sozialstaat als das, was er ist. Eine gesellschaftliche Errungenschaft. Und sie sind den wohlfeilen und nichts erklärenden Verweis auf die "Zwänge der Globalisierung" leid.

Vielleicht sind die meisten auch für einen Rückzug aus Afghanistan, weil sie im Gegensatz zu den sogenannten Meinungsmachern die Komplexität der Welt durchaus ernst nehmen, weshalb für sie der Weg der Eskalation nicht als einzige Alternative feststeht. Hat Merkel nicht eine Aufhebung von Denkverboten gefordert? Ach so, sie hat nicht _dieses_ Denkverbot gemeint. Da muss ich etwas falsch verstanden haben.

Und ob die Rente mit 67 wirklich eine Antwort auf die "demografische Herausforderung" ist, oder nicht doch nur ein weiterer kleiner Schritt in die von Allianz und Co. geforderte und von einer gigantischen Bildzeitungskampagne flankierte Totalprivatisierung der Rente, bleibt abzuwarten. Realitätsverweigerung sehe ich jedenfalls anderswo.

Gruß,
v.

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