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Der Fremde in unserem Kopf
Forscher haben im Erbgut des Menschen das Gen eines anderen Hominiden entdeckt. Es zeigt, dass die Urmenschenarten sich untereinander paarten.
http://www.zeit.de/2006/47/N-Neandertaler
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denn auch das gen der roten Haare ist viel älter als der homo sapiens, und auch bei den Neandertalern bekannt.
Ich weis allerdings beim besten Willen nicht wie so die etwas genauere gen-Analyse irgenwelche Grundgedanken von Darvin ausser Kraft setzen sollte. Scheint mir ein Gedankenfehler zu sein. Schließlich hat sich genetisch nur ein kleiner Bruchteil der Neandertaler erhalten, im Prinzip sind sie also ausgestorben, nach Darvin'schen Selektionsprinzipien.
Frage an den Admin: Zweimal wollte ich hier noch einen Beitrag senden, aber bisher ohne Erfolg!
Was ist hier los?
@medardus. Okay. Vielleicht ist das der Moment, um mit einem Mythos aufzuräumen! Richtig ist dass Darwin mit dem Sozialdarwinismus nichts zu tun hat – insofern ist er „unschuldig“. Und richtig ist auch, dass er die „richtigen Fragen und die richtigen Methoden“ hatte, um – und das ist der entscheidende Punkt – die Wissenschaft in dieser Frage von der theologischen Bevormundung zu lösen. Und insofern gäbe es keine wissenschaftliche Anthropologie ohne Darwin. Nur waren viele seiner Antworten und auch gewissen Optionen den biologistischen Vorurteilen seiner Zeit (die auch heute noch nicht abgeschlossen scheint, wenn ich mir so manche aktuelle Projekte der „Artengenerierung“ vor Augen führe) geschuldet; und hier liegt auch die Schnittstelle zwischen Darwin und dem Sozialdarwinismus. Letzterer ist überhaupt nur denkbar innerhalb biologistischen Denkens, welches sich auf die Natur und von dieser zurück in die Gesellschaft projiziert. Und hier endet der Mythos von der Unschuld! Hier schließt sich der Kreis von Darwin über Hobbes, Malthus, Bentham bis hin zu Adam Smith, und all den anderen Rittern der bürgerlichen Tafelrunde, die auszogen die Natur zu beherrschen und dabei doch nur die Beherrschung des Menschen durch den Menschen eine Zeitlang zu verlängern schafften; und mit diesen allen endet hier auch der Mythos von den unschuldigen Wissenschaftlern!
Es war der historische und dialektische Materialismus, der die These von der „Menschwerdung vermittelst der Arbeit“ zur Grundlage seiner nunmehr nicht mehr rein biologischen Anthropologie machte; und womit das Tor für den wissenschaftlichen Sozialismus aufgeschlagen war.
Wenn wir die Arbeit als ein wesentliches Element der Menschwerdung anerkennen und eben diese Arbeit als Kultur fassen, und welche wiederum auf der Grundlage des damit verbundenen Rhythmus dieser Arbeit die Sprache schafft, die diesen Prozess dann abschließt, dann stürzt das ganze Gebäude der rein biologischen Evolution ein. In der Tat: Die Menschwerdung des Affen ist ohne „kulturelle Evolution“ gar nicht zu begreifen, es sei denn, man unterstellt der Biologie genau das, was Einstein in Bezug auf Gott und den Kosmos eben nicht unterstellt haben wollte, als er sagte: Gott würfelt nicht. Eine Biologische Evolution ohne eine solche der Kultur, oder besser: ohne eine kulturelle Revolution, lässt es wirklich wie Würfeln erscheinen, wenn dann ausgerechnet dieser und nicht jener Primatensprössling eben den Weg aus der tierischen Kreatur herausfinden soll! Der Mensch ist in diesem Sinn auch keine „Kreatur“ mehr, soweit es ihm eben durch eine solche kulturelle Revolution möglich wird, das Primat der Biologie („Gottes Reich“) für sich zu brechen und damit letztlich auch vom der „Reich der Notwendigkeit ins Reich der Freiheit“ (Marx) wechselt, letzteres scheint mir allerdings noch nicht vollendet! Und weil sich eben die bürgerliche Wissenschaft an dieser Stelle nicht von der Stelle wagt (weil sie dem Marxismus hier nicht recht geben will und kann), wird sie den entscheidenden Schritt in dieses „Reich“ selber nicht vollziehen, und daher bleibt sie ihrem Biologismus treu und riskiert lieber den Sozialdarwinismus als den Sozialismus. Und dies soweit zum Thema Klassenschranken, Darwin und die bürgerliche Wissenschaft! Die Strafe für ein solches Versagen ist nun diese neue Konterrevolution namens „Kreationismus“. Es ist dies die „attraktive Falle“ einer Theologie, die punktgenau die Schwäche Darwins, resp. die seiner wissenschaftlichen Jünger, zu nutzen weiß und die die armen Seelen wieder ihrem Herrn zuführt, von dem sie sich eine Zeit lang zu trennen wagten.
Soweit für heute und viele Grüße
Ob der moderne Mensch und der Neandertaler oder andere Hominiden taxonomisch zu einer Art gehören oder nicht, wird die wissenschaftliche Welt nicht erschüttern. Auf dem Felde der Paläoanthropologie ist noch Vieles im Fluss und viele Zuordnungen gelten nur vorläufig, bis eben neue Erkenntnisse gewonnen werden.
15. November 2006, 20:33, NZZ Online,
'Ein Blick ins Erbgut des Neandertalers.
Keine Hinweise für eine Vermischung mit den Menschen', titelt die bekannte Schweizer Qualitätszeitung und lässt knapp, einen mindestens guten Artikel folgen. - Das Wiegen und Wägen wäre die Aufgabe der ZEITung. Dafür darf man sich dann auch eine Woche Zeit nehmen.
In Hoffnung.
Der Satz: 'Die Natur kennt das Konzept der Arten nicht ... die Evolution arbeitet mit Populationen' ist mitnichten eine neue Erkenntnis, wie man aufgrund Ulrich Bahnsens forsche Schreibe vielleicht meinen könnte. Zu dieser Einsicht (Evolution wirkt in Populationen) ist bereits Darwin gelangt. Darwin ist tot, zweifellos, aber seine Evolutionslehre lebt.
@medardus. Danke für den Hinweis. Ich bestreite nicht Darwins Evolutionslehre – und auch nicht seine ganze persönlichen Einsichten, ganz im Gegenteil! Was ich bestreite ist dieser Mischmasch aus Darwin und Theologie (nicht erst durch die „Kreationisten“), was sich zumindest nach Darwin durchgesetzt hat. Und Kernstück dieses Ideologiegebäudes (Theorie kann man das so nicht nennen!) ist die Vorstellung, dass der Mensch das „höchste Wesen“ unter Gottes Himmel sei. Und jene Vorstellung erfuhr dann unter den 'Sozialdarwinisten' (die recht bald solchermaßen nicht nur den Kolonialismus sondern auch das entsprechende Missverhalten gegen die übrige Natur rechtfertigten!) noch einmal eine besondere Prägung, die wohl von Darwin nicht gewollt sein mag, aber doch ein bezeichnendes Licht wirft auf dieses - ja vielleicht - Mißverständnis. Denn auch ohne die Verzerrungen durch die Sozialdarwinisten erscheint mir doch die Vorstellung vom „Überlebenskampf“ als eine gesellschaftliche Projektion auf ein Naturgeschehen, dass eben erheblich älter ist als jede uns bekannte Klassengesellschaft, die solchem Denken eben zugrunde liegt. Ich bin überzeugt, dass uns die weitere Intelligenzforschung bei den Primaten, aber auch bei Nichtprimaten (zum Beispiel bei den Elefanten, aber natürlich auch bei den Delfinen) bald klarer sehen werden lässt. Wie werten wir die Fähigkeit gewisser Affen zur Sprache – wenn auch für uns ohne verständliche Worte, sprich: durch vermittelst der menschlichen Zeichensprache. Und was halten wir von der Fähigkeit der Elefanten oder Delfinen zu Trauern – zum Beispiel um die nächsten Verwandten. Allein schon die Vorstellung von Verwandtschaft impliziert doch gewisse – und bisher nur den Menschen zugesprochene – Fähigkeit zur „Gesellschaftlichkeit“. Und was halten wir davon, wenn wir nun wissen, dass auch Elefanten sich selbst erkennen (eine Fähigkeit, die wir bisher nur den Primaten – und dies aus nahe liegendem Grunde – zusprechen wollten). Und bleiben wir dabei, dass der Mensch z.B. aufgrund dieser - seiner - Fähigkeit zur Sprache eine eben solche Sonderstellung einnehme (was ja mit den Affenexperimenten so nicht mehr behauptet werden kann) und da womöglich vor allem durch seine Fähigkeit zur Abstraktion (als Bedingung der Semantik), dann landen wir nämlich immer wieder bei gewissen biologisch-ontologischen Konzepten, die den Rassismus mit sich schleppen, wie eine Straßenkatze ihre Flöhe, zumal eben die uns bekannte Abstraktionsfähigkeit mit einer ganz bestimmten kulturellen Entwicklung eben nur eines Teiles der Menschheit einher gegangen ist; hingegen aber Nichtabstraktion keineswegs jenes Höchstmaß an Intelligenz verunmöglicht, das wir uns heute zugute halten, wie wir das eben am Beispiel der „Buschneger“, bzw. der „Australneger“ so deutlich erfahren haben; deren Intelligenz ist – trotz der tausenden von Jahren der völligen Andersentwicklung – mit uns 1 zu 1 gleichzusetzen. In diesem Sinne halte ich Darwin für obsolet ('tot'), aber diese Vorstellung habe ich nur, da ich mit Darwin gegen ihn argumentiere und keineswegs gegen Darwin von ganz anderen, zum Beispiel esoterischen oder überhaupt metaphysischen Grundlagen. Ich stehe also für eine erhebliche „Demokratisierung“ nicht nur der Beziehungen unter uns Menschen, sondern auch und erst recht zu der übrigen „Kreatur“ und Natur, ohne die uns unsere weitere Selbsterkenntnis kaum noch möglich sein wird, zumal wir begonnen haben, nach (womöglich intelligentem) Leben im All zu forschen. Wenn wir da nicht dieselben Fehler machen wollen, wie bei unseren ersten Besuchen auf dem schwarzen Kontinent, dann wird’s endlich Zeit, da umzudenken; und das geht natürlich zunächst nur mit Darwin, aber nun auch ein stückweit gegen ihn, und damit gegen eine Gesellschaft, die sich hinter ihren Klassenschranken zu gut eingelebt hat!
@paulw. Und was heißt das nun? Sind uns gar die Gene des Neandertalers vor allem im nördlichen Europa erhalten? Eine interessante Option!
Übrigens nicht nur verschiedene Hominiden, sondern Hominiden und Primaten sollen sich noch sehr lange gepaart (und auch vermischt) haben, bevor sich eine irreversible menschliche Gattung heraussonderte. Die These könnte lauten: Selektion erfolgt durch Kreuzung – quasi als Veredelung - und nicht durch Separation, da letztere solche „Arten“ verkümmern ließe. Auch ein Grund warum der Begriff „Population“ dem Artenbegriff vorzuziehen ist, insofern nämlich jene Populationen als nicht „artenrein“ zu bezeichnen wären. Letztlich erfolgte so die Selektion des Menschen erst auf einer genetisch unbedenklichen Stufe: Solche Populationen hätten genügend genetisches Material in sich aufgenommen, um von nun an gefahrlos eine von den übrigen Primaten gesonderte Fortpflanzung zu ermöglichen. Und ich denke schon, dass das über Darwin etwas hinausgeht!
Die „stärkere Art“ wird so nämlich zum Mythos eines „Homo Ökonomicus“, welcher seine genetische Formation, entsprechend seinem Klassendünkel, zu bereinigen sucht!
Die genetische Basis für dieses Verhalten scheint ja recht alt und tief im menschlichen Genom verankert zu sein, da es trotz ausbleibendem Fortpflanzungserfolg nicht verloren gegangen ist. Was Darwin wohl zu Paarungsversuchen mit Gummipuppen gesagt hätte?
Apropos Darwin:
An dessen 'struggle for life' und 'survival of the fittest' ist auch nach neuesten Erkenntnissen nicht zu rütteln. Der 'Kampf ums Dasein' ist ja nicht martialisch zu verstehen, auch der Löwenzahn beispielsweise 'kämpft' ums Überleben. Und wenn andere Arten ihm den Lebensraum, die ökologische Nische, streitig machen, dann hat er eben Pech gehabt. Beispiele dafür, das eingeschleppte Arten einheimische aus deren angestammtem Lebensraum verdrängen, gibt es reichlich. Mit einer 'Überlegenheit' einer 'stärkeren Art' hat das garnix zu tun. 'Mit Darwin gegen Darwin' macht keinen Sinn, Darwin richtig lesen und verstehen dagegen schon.
@medardus. Das Rezitieren Darwinscher Dogmen ersetzt eben nicht die Auseinandersetzung mit den aktuellen Forschungsergebnissen. Und natürlich wäre es einem Darwin zu vermitteln gewesen - vorausgesetzt er wäre zuvor mit der moderner Psychologie und Soziologie (und selbstredend auch Sexualanthropologie) bekannt gemacht worden - dass der Verkehr mit Gummipuppen sexueller Fetischismus modernster (resp.: postmoderner) Prägung ist und eben nicht Ausdruck sexueller Promiskuität zwischen den Arten. Genauso wäre ihm anhand dieser heutigen Erkenntnissen auch klar zu machen gewesen, dass 'the fittest of the life' nicht der ist, der die dickste Keule (auch nicht einer solchen zwischen den Beinen) vorzuweisen hat, sondern eben der, der die größtmögliche Fähigkeit der Kompensation (eben gerade seiner Schwächen) besitzt. Und die Fähigkeit zur Kompensation konferiert mit der zur Kooperation und weniger mit Durchsetzung individueller (oder kollektiver) Stärken. Und in Bezug auf den Menschen wäre wohl auch zu konstatieren, dass dessen überragende soziale Kompetenz (ja, man soll es nicht glauben!), das entscheidende - und damit eben nicht biologische - Kriterium dafür gewesen ist, dass er das Reich der Kreatur überhaupt verlassen hat. Die Entwicklung zum Menschen ist somit in letzter Instanz Ergebnis einer kulturellen und weniger einer biologischen Absonderung. Vielleicht auch ein Grund dafür, warum in den Zeiten der ersten Differenzierungen (und die zog sich über Millionen Jahre hinweg!) zwischen den Primaten (wo die Irreversibilität einer Hominidenabsonderung eben noch nicht gegeben war) der sexuelle Verkehr zwischen den bis dato eben noch biologisch „Artverwandten“, nichts ungewöhnliches gewesen sein wird, zumal die außergewöhnliche sexuelle Aktivität bei den Primaten (Stichwort: Bonobos) ja geradezu deren gemeinsames „Artenmerkmal“ zu sein scheint, und eine solche daher vermutlich auch die wichtigste Grundlage für die dann später einsetzende kulturelle Kompensation derselben (unter einigen wenigen) gewesen sein wird. Am Beispiel der Bonobos lässt sich gut studieren, wie die Sexualität für die Aufrechterhaltung einer friedlichen, ergo: konkurrenzfreien, nämlich: matristischen Noch-Nicht-Gesellschaft genutzt wird. Ich gehe davon aus, dass es genau diese Ausgangsposition war, die den später einsetzenden kulturellen Ersatz hierfür möglich gemacht hat (was auch immer der Grund dafür gewesen sein wird) und damit den Übergang zur Gesellschaft ohne Anführungszeichen einleitete. Und auf jener Übergangsstufe war die biologische Differenzierung als „Art“ mit Sicherheit noch sehr instabil.
Mein Vorschlag an Sie also, lieber medardus: Bemühen Sie weniger Ihr Bewusstsein unterhalb der Gürtellinie und dafür mehr ihren Verstand, der ja hoffentlich im Kopf sitzt, dann bewegen Sie sich nämlich exakt auf der Höhe einer so beschriebenen ersten „kulturellen Kompensationsleistung“ unserer Vorfahren.
Und warum „Mit Darwin gegen Darwin“? Weil Darwins Fragestellungen und Methoden grundsätzlich die richtigen waren, aber da er von solchen – eben hier beschriebenen - Erkenntnissen durch eine ganze Epoche quasi noch getrennt war, geht es heute auch „gegen ihn“, zumindest was die Vorurteile seiner Zeit anbelangt. Seine Epoche ist die Durchsetzung des Kapitalismus und damit die Herausbildung gerade eines solchen paranoiden Selbstbewusstseins, das auch heute noch der Höherentwicklung des Menschen - gegen ein solches Mißverständnis eben - im Wege steht; denn vor uns steht die Epoche des Niedergangs des Hominiden (also von wegen: Irreversibilität) oder die der Herausbildung eines Wesens, das den ersten kulturellen Übergang insofern abschließt als es zum zweiten überleitet, und dadurch sich aus seiner Entfremdung (auch von der Natur) zu lösen vermag, indem es den Antagonismus unter den Arten (und innerhalb seiner Art) – den es begründet hat – wieder aufhebt.
Und dass die „Entwicklung der Arten“ auch als eine solche des Irrtums möglich sein könnte, wäre einem Darwin damals wohl noch nicht zu vermitteln gewesen!
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