Macht uns Google wirklich dumm?

Technologie-Kritiker Nicolas Carr hat eine provokante These. Weil wir im Internet alles sekundenschnell finden, verflacht unsere Wahrnehmung. Anstatt Informationen zu speichern, konsumieren wir sie nur; die tiefe Verwurzelung unseres Wissens weicht einem flachen Stöbern im Informationspool des Internets. Was halten Sie von Carrs Ideen? Diskutieren Sie mit!Die Thesen des Atlantic-Monthly-Autors werden auch durch eine Studie des Psychologen Joseph Ferrari gedeckt: Eine Untersuchung des Wissenschaftlers von der DePaul University in Chicago zeigte, dass jeder Fünfte von 4.000 befragten Berufstätigen an Zerstreuung leidet und ein Problem mit Zeitverschwendung hat. Ferrari fordert deshalb, procrastination (chronisches Verschieben) als medizinisches Phänomen zu betrachten.Beide Positionen sind nicht unumstritten: Internet-Theoretiker Clay Shirky vertritt die Ansicht, Informationsüberfluss sei "eine gute Sache" und liefert sich auf dem Britannica-Blog einen intellektuellen Schlagabtausch mit Carr. Auch Ferrari erhält Widerspruch: Im Guardian bezweifelt Wissenschafts-Autor Richard Smith, dass chronisches Verschieben die Kriterien einer Krankheit erfüllt.

Zu den neuesten Kommentaren
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Leser-Kommentare

23.07.2008 um 20.00 Uhr
1. Ach könnt ich nur schnell googlen ...

... wo mein Schlüssel ist
... wie es roch an jenem Abend
... was er wohl gemeint hat, als er das sagte
... wie diese eine Sache zwischen den Menschen funktioniert
... wer das getan hat
... warum das und das so und so ist
 
Ich erwische mich oft bei dem Wunsch, eine Sache einfach nur googlen zu können. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn Menschen nicht aus einer natürlich gegebenen Notwendigkeit bei sich sind, alles ergründen, nachdenken. Doch obwohl mir diese Art, zu sein, in die Wiege gelegt wurde, wird es mir manchmal zu schwer, und ich will nur noch googlen.Ich kann mir also sehr gut vorstellen, dass Google das Hirn verflacht, beziehungsweise den Impuls, zu denken, hemmt.

23.07.2008 um 20.33 Uhr
—debrasseur (nicht überprüft)
2. Googeln

ein Lexikon für alle Fälle. Mülle wird dadurch nicht vermieden, ZEIT gespart, unweigerlich schneller nach Alzheim unterwegs. Wer das Hirn vernachlässigt, vernachlässigt in Gedanken die Menschen. debrasseur

23.07.2008 um 21.08 Uhr
3. Ich könnt mich googeln.

Eine These ist eine These ist eine These...Schauen wir mal ein paar Jahre zurück. Damals, als die erste Eisenbahn als Personenbeförderungsmittel zwischen Nürnberg und Fürth fuhr, damals mit einer unglaublichen Geschwindigkeit von 24 - 30 km/h, da fürchtete man bereits um die seelische und körperliche Gesundheit der Insassen.Und heute? Die oftmals beschworenen negativen Folgen übermäßigen Fernsehkonsums haben wir ja schon hinter uns. Die Opfer treten heute in den nachmittäglichen Talkshows oder bei Big Brother an, um ihre Probleme öffentlich zu machen oder endlich mal berühmt zu werden. Im Zeitalter der Informationstechnik fürchten wir uns jetzt vor geistiger Überflutung und den geistigen Niedergang der Nutzer durch zu viel Information - Informationsüberfluss bei gleichzeitiger Sprachlosigkeit. Wir schwimmen im Meer der Information ohne geeignete Schwimmhilfe.Da hilft nur Gelassenheit, eine ruhige Google schieben sozusagen, ein Glas Wein trinken, eine 10 km-Wanderung mit Freunden machen, ein JoJo entdecken oder ein Buch lesen, ein Nachmittag am Strand verbringen oder auch alles zusammen. Irgendwann kommen wir schon drauf, dass wir die wirklich relevanten Dinge (wie im Beitrag #1 genannt) in Google nicht finden. Nicht mal einen Googleblitz.Die Welt ist eben immer noch eine Scheibe und gibt sich irgendwann die Google.

23.07.2008 um 21.23 Uhr
4. Dumme Verallgemeinerung

Dumme Verallgemeinerung1.) Google bildet nur das Internet ab2.) Hängt es von den Lebegewohnheiten ab, WIE man mit etwas umgeht.3.) Waren die Menschen früher wirklich tiefdenkender ?4.) Gibt es immer solche und solche5.) Statt nur mögliche negative Gewohnheiten auch noch zu vertiefen, wäre es angebracht6.) die Lesegewohnheiten dahingehend zu fördern, damit die Menschen damit vernünftig umgehen können (GERADE DIE, welche der Thesenschreiber kritisiert hat)

23.07.2008 um 21.41 Uhr
5. Nicht-Googeln macht dümmer ...

Nicht-Googeln macht dümmer ...Würde Google-Kritik wie obennicht die Technik für menschliches Versagen (stellvertretend) anklagen,wäre die Lösung nicht weit.Wenn Google-Kritikern wie obenkeine Ideen kommen ... Google stelle eine Fülle von pädagogischen und psychologischenHilfen FÜR ungebildete Bürgerschichten und Technik-Kritiker bereit.

23.07.2008 um 22.19 Uhr
6. @Gero L. Steiner Sehr schöner Beitrag

@Gero L. Steiner Sehr schöner BeitragAuch wenn ich mancherlei negative Aspekten nicht teile,hat er doch sehr viel Sprachwitz, der auch zum Nachdenken anregt.Danke.

24.07.2008 um 09.56 Uhr
7. Nur ein Symptom

Es ist jedenfalls bei Jugendlichen leicht zu beobachten, dass sie glauben das man sich Wissen nicht mehr aneignen muss, sondern aus dem Internet abfragen kann. Der Unterschied zwischen Wissen und Information, ist aber kein geringer, sodass diese "Überallzugleich"-Mentalität als problematisch zu betrachten ist. Dieses Problem wird durch die Nutzung von Mobiltelefonen u.ä. noch verstärkt, da immer mehr Jugendliche Probleme mit planvollem Handeln haben. Sie sind gewohnt, dass sie jederzeit per Handy umdisponieren können, sodass Verlässlichkeit einer situativen Beliebigkeit weicht.

24.07.2008 um 10.54 Uhr
8. Kulturtechnik oder Gehirnentwicklung?

Um die Diskussion zu diesem spannenden Thema zu erweitern, eine Frage an die Diskutanten: Liegt das Problem Ihrer Meinung nach eher darin, dass die Kulturtechnik des Lesens sich durch das Internet verändert und so die "neue Oberflächlichkeit" quasi institutionalisiert wird? Oder sind die Auswirkungen des Suchmaschinen-Verhaltens auf unser Gehirn, das Forschungen zufolge sehr formbar ist, problematischer? Kann man beides überhaupt trennen? Auf Ihre Antworten freut sich,Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

24.07.2008 um 11.51 Uhr
Zagreus
9. Hmmm, man sollte sich dazu

Hmmm, man sollte sich dazu vielleicht kurz vergegenwärtigen, wie denn Informationen bisher behandelt wurden.Dazu fällt auf zum einen, dass Lesen von größeren und relativ schnell wandelnden Textmengen eigentlich erst ca. 150 Jahre alt ist. Bücher und Zugänge zu Bibliotheken waren oft trotz Druckerpresse zu teuer einfach und Bibliotheken einen engen Benutzerkreis vorbehalten.Eine richtige Verbreitung - meine massenmäßige - kam erst nach 1850 in gGng. Exakter durch die erfindung und verbreitung der Rotationsdruckpressen. Erst ab dann war es ernsthaft möglich Zeitungen und Zeitschriften (welche einfach Billigerwaren als Bücher) in Massen zu drucken für wenig Geld.Erst ab hier haben wir also für die breite Masase der Bevölkerung bei uns eine erste Flut von häufig wechselnden und großteilig schnell veralternden Informationen - und erst hier kommt dann auch die Frage nach dem Umgang mit solchen Art von Information auf.Erst hier wird die 'fähigkeit' zu vergessen ein wichtiger Faktor, und erst hier wird auch die Fähigkeit von 'Wissen' ezu beurteilen und zu verwalten wichtig.Was sich ab dann abspielt und bis heute fortdauert, ja noch verstärkt wird durch Google & Co., ist weniger die Fähigkeit bestimmtes, genau definiertes Faktenwissen in vielen Bereichen zu behalten, als vielmehr Methoden es Suchens&Findens, des Auswählens, des Beschränkens und des, ja, dass ist wichtig, ds Vergessens.Was wir also lernen, ja wissen müssen, für Google & Co. ist: wie man was findet - udn nicht das einzelne Element mehr, sondern höchstens ein zum Finden nötigen Überblick.Die Auswirkungen auf das Gehirn dabei dürften zumindest noch nicht allzugroß sein - unser Gehirn lernt halt auch und passt sich an - hier halt : weg vom Wissen als der möglichst genauen abspeicherung von fakten (das desto nötiger wird in einer gesellschaft die über wenige oder keine sonstige Abspeichermöglichkeiten verfügt) hin zur Organisation und Verwaltung von Wissen (das bei einer immer größeren Flut von Wissens-'Teilen' nötiger wird).Das diese Anpasungsleistung gerade in der 'Umbruchsphase' besonders leicht auch zu fehlentwicklungen und -exessen führen kann, dürfte aber auch jedem klar sein.Es muss sich quasi immer wieeder erst neu einpegelen auf einen jeweils gut angepasste verhaltensstruktur zwischen Arten des Umgangs, Gehirnleistungspotentialen, Medium und  Wissens.Macht es dumm? Nun, was ist dumm? das man wenig weis, ist das dumm? Oder ist es dumm nicht auf organisationsformen bzl. des Wissenstransfers, wie es innerhalb einer Kultur besteht, angepasst zu sein?

24.07.2008 um 11.54 Uhr
Zagreus
10. Korrektur: Vorher gab es

Korrektur:Vorher gab es selbstverständlich auch Formen der Wissensorganisation - sie warenb nur auf die damaligen zustände eingespielt.Die Wandlungen und somit Neuanforderungen werden erst ab dann aber signifikant beschleunigt.P.S. in eigener Sache noch: sorry für all die netten Rechtsschreibfehler.

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